Br. Paul Tobler

Rom – im Ordenszentrum

Seit mehreren Monaten habe ich die Gelegenheit, die Theologie in Rom weiter zu studieren. Gleich wie andere Gemeinschaften unterhält auch der Benediktinerorden in Rom eine universitäre Einrichtung, das  «Pontificio Ateneo Sant’Anselmo». Tagsüber wird die klösterliche Anlage auf dem Aventin von den bis 500 Studenten belebt. Diese sind zum grossen Teil Ordensleute, Seminaristen oder Diözesanpriester und studieren Philosophie, Theologie oder eine der verschiedenen theologischen Spezialisierungen, wie Liturgie oder monastische Studien. Wir sind ausserdem 70 Benediktiner sowie 15 Diözesanpriester, aus der ganzen Welt stammend, die hier auch im integrierten Wohnkolleg wohnen und beten und sozusagen die Kerngemeinschaft bilden. Einer von ihnen ist auch der Abtprimas, der Vorsteher der Konföderation aller ungefähr 21›000 Benediktinerinnen und Benediktiner weltweit. Es ist eine sehr interessante Realität. Ich beschreibe einige Alltags-Erlebnisse:

Die kirchengeprägte Stadt Rom bietet ganz viele spannende Anlässe und Einblicke, sehr oft in naher Distanz. Ich besuche eine Konferenz zum Schreiben «Amoris laetitia» von Papst Franziskus, organisiert von führenden Jesuiten der Gregoriana-Universität, zur Rezeption dieses Dokuments. Bei der Präsentation seines neuen Buches «Die Kraft der Stille», ist Kardinal Robert Sara, Kurienverantwortlicher für Liturgie und Gottesdienst, im französischen Zentrum von Rom anwesend und spricht über Thema und Entstehen des Buches. Den Gottesdienst zum Abschluss des Heiligen Jahres darf ich auf dem Petersplatz mitfeiern, als Papst Franziskus die Heilige Pforte schliesst, Gott für alle Gnaden dankt und ihn um seine bleibende Nähe bittet.

Später sitze ich in einem Blockkurs zum Islam. Neben mir tun dies eine katholische Studentin aus Deutschland, deren Vater arabischer Moslem ist, sowie benediktinische Mitbrüder aus Nigeria, Tansania, Sri Lanka und den USA: Wir haben sehr verschiedene Zugänge und Erfahrungen zu diesem Thema. Unser Dozent ist Benediktinerpater aus Tansania, der in Kairo lebt und sich stark im monastischen Dialog mit dem Islam engagiert. Eine sehr interessante Auseinandersetzung und viele angeregte Klassengespräche sind garantiert. Zum Schluss besuchen wir die Grosse Moschee von Rom, eine der grössten in Europa, und ihren ägyptischen Imam – eine positive, geschwisterliche Begegnung. Fortsetzung aus Rom folgt…

Mit benediktinischen Mitbrüdern aus Kanada und Senegal. | © P. Marion Nguyen OSB
27. Februar 2017 | 14:45
von Br. Paul Tobler
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