«Römischer Zentralismus» – Bitte nicht wieder!
Das Konzil hatte in seiner Ekklesiologie das Verständnis von Kirche als Volk Gottes hervorgehoben und genauso die Kollegialität der Bischöfe stark gemacht. Während «Kirche als Volk Gottes» die Gemeinsamkeit aller Glaubenden ungeachtet ihrer hierarchischen Unterschiede zum Ausdruck bringt, hebt die «Kollegialität der Bischöfe» die Urgestalt des apostolischen Amtes hervor (LG 22) und rückte damit eine wachsende päpstliche Zentralisierung der Regierungsgewalt und des Lehramtes zurecht. Konkret umgesetzt wurde diese Kollegialität durch die Gründung von Bischofskonferenzen, die Einrichtung von Synoden und die Durchführung von Generalversammlungen. Medellín konnte das Thema noch selbst auswählen; Rom hatte nur wenige Delegierte bestimmt und das von den Bischöfen verabschiedete Schlussdokument wurde vom Paul VI. voll und ganz akzeptiert.
Mit Johannes Paul II. kam es allerdings zu einschneidenden Veränderungen in den nationalen und länderübergreifenden Versammlungen und zwar dadurch, dass das Prinzip der Einstimmigkeit für Erklärungen eingeführt wurde, welche die Glaubenslehre betreffen. Abgesehen von damit verbundenen theologischen Schwierigkeiten ist kaum einsichtig, warum die Thematisierung pastoraler Her-ausforderungen nicht «ohne römische Rückendeckung» von den einzelnen Orts-kirchen selbst bestimmt werden kann. Mehr noch: Durch nachträgliche «römische Eingriffe» in Schlussdokumente, die von Generalversammlungen verabschiedet wurden – so wie es in Aparecida 2007 geschah –, wird nicht nur zum Verlust der lehramtlichen Autorität der verschiedenen Ortskirchen beigetragen. Auch der alte zentralistische und uniforme Kurs wird damit weitergeführt, welcher der heutigen sozio-kulturellen Pluralität nicht gerecht zu werden vermag und dem konziliaren Kirchenverständnis entgegensteht.
Dies könnte auch die Erfahrung von Jorge Mario Kardinal Bergoglio gewesen sein, der bei der Endredaktion des Schlussdokuments von Aparecida sehr engagiert war und dann als Papst Franziskus in seinem Schreiben «Evangelii Gaudium» «die Notwendigkeit, in einer heilsamen ‹Dezentralisierung› voranzuschreiten», selber spürte (EG 16). Seine Meinung dazu ist jedenfalls klar: «Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen» (EG 32). Hoffentlich wird diese Meinung von vielen geteilt!
(Giancarlo Collet)
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