Walter Ludin

Religiöse mit schwachen Religionskenntnissen

UnwissenheitWer religiös ist, kennt sich nicht ohne weiteres in der Religion aus. Dieses Ergebnis brachte kürzlich eine Umfrage in den USA. Es weckt in mir den Verdacht, dass der Befund auch hierzulande nicht unbedingt anders wäre. Oder etwas zugespitzt: Wer den «rechten» katholischen Glauben verteidigt, ist nicht ohne weiteres auch ein Bibelkenner. Ein kleines Beispiel: Als ich vor vielen Jahren in einem Artikel Hans Küng zitierte, der vom «Herrenmahl» sprach, gab es eine erzürnte Reaktion. Dieser Ausdruck sei häretisch. Nun, ich konnte nachweisen, dass er in der Bibel steht.
Und hier ein Ausschnitt aus dem Bericht des Tages-Anzeigers:Obwohl viele Amerikaner sehr religiös sind, wissen sie offenbar wenig über Religion. Das «Pew Forum on Religion and Public Life» befragte 3412 Amerikaner zur Bibel, zum Christentum, zu anderen Weltreligionen, berühmten religiösen Figuren und Religionsgeschichte. Mit Wissen geglänzt haben die Befragten nicht. Die Hälfte der Fragen beantworteten die Teilnehmer durchschnittlich falsch, wie die «New York Times» berichtet.Erstaunlich auch, welche Bevölkerungsgruppe besonders viel weiss. Nicht die gläubigen Katholiken oder Protestanten kennen sich bei Religionsfragen am besten aus – es sind diejenigen, die sich von jeder Art von Glauben fernhalten: die Atheisten. Sie beantworteten durchschnittlich 20,9 der 32 Fragen korrekt. Knapp dahinter folgen die Juden, kurz darauf Mormonen. Mit einem etwas grösseren Abstand belegen weisse evangelikale Protestanten den vierten Platz, gefolgt von weissen Katholiken, das Schlusslicht bilden lateinamerikanische Katholiken, die durchschnittlich nur noch jede dritte Frage richtig beantworteten.

11. Oktober 2010 | 01:34
von Walter Ludin
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