Reformvorschläge
Gegenargumente – Argumente(Das Mail mit diesem Text von Herbert Kohlmaier, Laien-Initiative Wien, ging leider in der Flut der täglich rund 40 eingehenden Mails vorerst unter. Auch wenn es fast ein Monat alt ist, möchte ich es euch nicht vorenthalten:
Kardinal Kasper und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Zollitsch habendas Theologenmemorandum kritisiert. Ihre Argumente (A, kursiv) sind jedoch unzulänglichund widerlegbar (G).A: Es wäre ein substantieller theologischer Beitrag zu erwarten gewesen, statt dessen bleibtman in Selbstbeschäftigung stecken.G: Die theologische Substanz des Memorandums ist jener der Einwände turmhoch überlegen.Es beschäftigt sich keineswegs mit der eigenen Situation der Unterzeichner, sondern mit jenerder Kirche.-A: Die Kirchenverfassung ist keine «existenzielle Frage für die Menschen».G.: Die innere Verfassung ist für alle Gemeinschaften ganz wesentlich, denn sie prägt derenCharakter und Vorgehen. Soll den Menschen die Kirche wichtig sein, dann wohl auch derenOrdnung!-A: Ist nicht Kirchenkrise Folge der Gotteskrise?G: Die Kirche erleidet nicht eine Krise, die von anderswo her kommt, sondern für die sie dieUrsachen bei sich selbst zu suchen hat. Die Gotteskrise ist ihre ureigenste Herausforderungund Aufgabe, durch aktives Tun zu antworten und nicht nur zu registrieren, dass man davonbetroffen ist.-A: Das Memorandum enthält nur längst Bekanntes und bis zum Überdruss Gesagtes.G: Standpunkte werden nicht dadurch falsch, dass sie lang bestehen und geäußert werden –ganz im Gegenteil! Die Bischöfe lassen damit nur ihren inakzeptable Strategie erkennen, aufein Totlaufen durch Zeitgewinn zu setzen.-A: Die Menschen- und Freiheitsrechte bestehen ohnedies und müssen selbstverständlich auchin der Kirche gelten.G: Es wurde bereits mehrfach nachgewiesen, dass die Kirche diese Grundrechte – etwa in derKatholischen Soziallehre – zwar von der Gesellschaft einfordert, aber in ihrer eigenen Verfassungnicht umsetzt. Ein typisches Beispiel dafür ist das Subsidiaritätsprinzip.-A: Kirchen, welche eingemahnte Regelungen verwirklicht haben, stecken in einer viel tieferenKrise als die katholische und oft zumindest am Rand der Spaltung.2G: Es ist verfehlt, einen Vergleich der Krisen anzustellen, statt sich der eigenen zu stellen.Wollte man es dennoch tun: Die aktuelle Hauptursache des sexuellen Missbrauchs ist bei denanderen Kirchen nicht aufgetreten und auch die Probleme des Priestermangels sind dort nichtvergleichbar akut. Und wie kann man nur darüber hinwegsehen, dass gerade die katholischeKirche selbst längst von einer tiefen Spaltung betroffen ist, die jetzt im Memorandum undseiner Ablehnung wieder einen deutlichen Ausdruck findet?-A: Betreffend den Zölibat hat die Überprüfung längst stattgefunden, drei Weltbischofssynodenhaben die Beibehaltung beschlossen. Rechtskultur verlangt, keine lähmende Dauerdiskussionzu führen.G: Das «Roma locuta causa finita» wird nur mehr von einer Minderheit akzeptiert, die dasGrund- und Freiheitsrecht selbständigen Denkens nicht wahrnehmen (will), obwohl es auch»selbstverständlich in der Kirche gelten muss». Eine Dauerdiskussion gibt es deshalb, weil dieProbleme mit dem Pflichtzölibat eben andauern und die Einwände gewichtig sind. Lähmendist die fehlende Auseinandersetzug mit den Kritikern und deren Argumenten.-A: Es zeugt von purem Provinzialismus, wenn man die Erosion vieler Gemeinden als Problemdes eigenen Landes sieht und hier mit Sonderregelungen lösen will.G: Jede Kirche eines Landes ist gleichberechtigter Teil der Weltkirche und bildet diese gemeinsammit den anderen. Sie ist daher berechtigt und verpflichtet, in der Weltkirche ihreStimme zu erheben und nötige Schritte einzumahnen sowie selbst in die Wege zu leiten.-A: Mit der Weihe bewährter Männer kann man bisherige Pfarrstrukturen nicht am Lebenhalten.G: Damit wird die lebensbedrohliche Situation der Gemeinden als kirchliches Wesenselementzugegeben und der bisher beschrittene Ausweg großflächiger Pfarreinheiten sogar abgelehnt.Dennoch bleibt man andere Konzepte ebenso schuldig wie theologische Argumente gegen die»viri-probati»- Lösung, welche bekanntlich der Papst selbst als Theologieprofessor voraussah.-A: Wie steht es um das persönliche und von Freude geprägte Glaubenszeugnis der Unterzeichnerdes Memorandums und nicht zuletzt das Gebet?G: Das Stellen dieser Frage erinnert peinlich an die Worten Jesu vom Splitter im Auge desNächsten.-A: Das theologische Grundproblem ist die Gotteskrise, die zu einer Gläubigen- und Gemeindekrisegeführt hat. Es genügt nicht, oberflächlich an der Stellschraube Zölibat zu drehen.G: Die erwähnten Krisen sind nicht einfach von selbst entstanden, sondern die Kirche hatinsofern dazu selbst beigetragen, als sie beharrlich Inhalte und Formen des Glaubens anbietet,die von den Menschen unserer Zeit nicht mehr angenommen werden. Das Beibehalten desZölibats zeigt gegenüber der Öffentlichkeit besonders anschaulich die Unfähigkeit, im Ein3klang mit der Überzeugung eines weitaus überwiegenden Teils des Glaubensvolkes zu handeln.-A: Man darf nicht bei plakativen Forderungen stehen bleiben, die viel mit Nützlichkeitskalkülenund Pragmatismus statt mit theologischer Durchdringung zu tun haben.G: Plakativ sind Forderungen, die verstanden und angenommen werden, was ja für siespricht! In den Kategorien von Nützlichkeit und Pragmatismus zu denken, kann nur gut sein,denn das Gegenteil wäre Nutzlosigkeit und Ignorieren der Umstände. Ausgerechnet einemMemorandum so vieler und qualifizierter Theologen mangelnde fachliche Durchdringungvorzuhalten, ist befremdlich. Es lässt gebotenen Respekt vor deren Kompetenz ebenso vermissenwie christliche Dialogkultur.-A: Die Kirche muss die Frage nach Gott wach halten und christlich beantworten; dafür istmehr erforderlich, als ein kirchlicher Reparaturbetrieb.G: Reparaturen sind immer dann nötig, wenn Störungen aufgetreten sind. Die Gottesfrage istin der Gesellschaft keineswegs verstummt, aber die Menschen suchen Antworten, die ihnendie Kirche nicht gibt. Christliche Antworten müssen zu Jesus zurückführen, der Regeln undGebote verworfen hat, die von Menschen stammen und Lasten auferlegen.-A: Kann man wirklich glauben, dass die Verwirklichung der aufgelisteten Reformforderungenzur erwünschten Blüte führen?G: Sicher ist jedenfalls, dass die bloße Zurückweisung von Veränderungsvorschlägen keineBlüte hervorbringen kann. Erstarrung ist immer lebensfeindlich, ebenso das Abschnüren desKreislaufs zu Gliedern am Leib der Kirche (Paulus), die wohlüberlegte Anliegen zum Nutzender gemeinsamen Sache vorbringen.
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