Heinz Angehrn

Ratzinger und Küng

Eben fertig gelesen: «Der mit dem Fahrrad und der mit dem Alfa kam» von Freddy Derwahl (Pattloch München 2006), das Doppelportrait der beiden einflussreichen Herren. Spannend und süffig geschrieben, von den Aktivitäten während des Vaticanums bis zum Geheimtreffen in Castel Gandolfo, vom Autor als Akt der Versöhnung und als späte Fortführung der wöchentlichen Tübinger Nachtessen interpretiert. Ob er recht hat, ich will es nicht werten.Was ich lese und deute: Das Doppelportrait eines Egomanen, dem 1968 nichts antun konnte,weil er ja nur sich selber für wichtig nahm, und eines Übersensiblen, der daran fast zerbrach, weil er sich zu wenig wichtig nahm, beides intellektuelle Grossmeister und Kampfmaschinen, auch in der nicht bergpredigtgemässen Form innerkirchlichen Taktierens. Was ich bedaure: Wieviel geistig-intellektuelle Potenz zugunsten von Mutter Kirche in Nebensächlichkeiten vergeudet wurde/wird. Was mich erschüttert: Ratzingers Aussage zum Zölibat (den man(n) «nicht als Erstes gewollt, sondern nur um des anderen Rufs willen annahm», S.240). Und das sagte der, der jetzt Papst ist! Zum Lesen empfohlen.

4. Dezember 2006 | 16:31
von Heinz Angehrn
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