Heinz Angehrn

Rattles Tristan

In Baden-Baden trat Herr Mariusz Trelinski an und auf und versuchte sich an einem der epochalen Werke Richard des Grossen. Die Kritik (NZZ 22.März S.40) eines Herrn Peter Hagmann war um einiges fairer und objektiver als die seines Salzburger Kollegen. Spannend zum einen, dass Herr Hagmann die Aufführung im Wesentlichen so empfand, als habe Sir Simon mit seinen Philharmonikern Bühne, Sänger/innen und Publikum quasi zugedröhnt. Nun ist dazu eben zu bemerken, dass sich Richard Wagner dieser Problematik schon vor über 100 Jahren bewusst war und darum den gedeckten Bayreuther Orchestergraben geschaffen hat. Jeder Dirigent am «normalen» Graben sollte sich dessen bewusst sein.
Schwieriger allerdings dann – und das nehme ich Herrn Hagmann ab – dass das Bühnenbild Trelinskis, ein Schlachtschiff der Neuzeit mit mehreren Räumen, die Akkustik zusätzlich abwürgte und den Sängerklang teilweise sinnlos verpuffen liess. Das ist manchmal auch bei Homokis Schuhschachtel-Bühnenbildern die Gefahr. Und auch die Zürcher «Norma» limitierte.
Wo Herr Hagmann sich mit seiner Gilde dann wieder einig ist, zeigt sich in der typisch sinnlosen Phrase, dass sich diese Inszenierung immer wieder «in opernhafter Konventionalität» verheddere. Glauben Sie mir, die Damen und Herren schreiben sich das einfach gegenseitig ab, um Energie zu sparen, sich wirklich mit Werk und Inszenierung auseinander zu setzen.
PS: Wer stellt mich mal in Teilzeit an und schickt mich nach Salzburg/Baden-Baden/London/Wien/Milano?

26. März 2016 | 08:00
von Heinz Angehrn
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!