Rassismus im gehobenen Mittelstand
Die Serie «Show me a Hero» (HBO) erzählt von wahren Begebenheiten aus den 1980er-Jahren im US-Bundesstaat New York. Im Mittelpunkt steht Nick Wasicsko (Oscar Isaac), der damalige Bürgermeister von Yonkers, einem kleinen New Yorker Bezirk. Wasicsko gerät in eine rassistische Kontroverse, als ein Richter entscheidet, dass in einer «weissen» Gegend Sozialwohnungen für Schwarze gebaut werden müssen.
Neben Isaac, für seine Leistung zu Recht mit dem Golden Globe geehrt, beeindrucken Catherine Keener als Hauseigentümerin, die mit ihren Freunden aus dem gehobenen Mittelstand gegen die Sozialwohnungen kämpft. Einmal sagt sie: «Diese Leute (die Schwarzen) haben einen anderen Lebensstil, das passt nicht zu uns.» Faszinierend zu sehen, wie nachvollziehbar Keener diese Frau darstellt, ohne dass man sie in der Rassismus-Schublade entsorgen kann. Hervorragend auch Winona Ryder als Stadtratsmitlied Vinni Restiano und Alfred Molina als populistisches Sprachrohr der Neubau-Gegner.
Im heutigen Europa ist Fremdenangst wieder aktuell. In der Schweiz würde sich jede Gemeinde wehren, wenn ein Richter von oben herab ein Dutzend Sozialbauten für muslimische Migranten befehlen würde, mit dem Riskio, dass viele junge, möglicherweise radikale Männer aus der arabischen Welt unser Leben verändern. Natürlich sind syrische oder tunesische Muslime in der Schweiz etwas anderes als schwarze Frauen und Männer in den USA, die dort geboren wurden und trotzdem ein Leben lang benachteiligt bleiben. Aber der einsame Kampf eines Richters und eines Bürgermeisters im New York der 1980’er Jahre kann trotzdem für die heutige Lage inspirieren. Jedenfalls ist die tragische Tiefendimension der Geschichte ein Lehrstück, wie der Titel der Serie verrät, eine Anspielung auf ein Zitat von F. Scott Fitzgerald: «Show me a Hero, and I’ll write you a tragedy.» (Zeig mir einen Helden, und ich schreibe dir eine Tragödie)
Ohne zuviel zu verraten: angedeutet im Realismus dieses Satzes, wirft die Geschichte des Bürgermeisters Wasicsko ein sehr unbequemes Licht auf unsere eigene, bürgerliche Selbstgenügsamkeit und Abstumpfung.
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.



