Ein denkwürdiger ökumenischer Dialog fand am 17. Oktober 1963 zwischen Papst Paul VI. und dem dänischen Lutheraner Kristen Skydsgaard statt. Dieser brachte im Namen der nichtkatholischen Beobachter des Konzils gegenüber dem Papst seine «lebhafte Hoffnung» zum Ausdruck, dass das Konzil mehr und mehr von einer «konkreten und geschichtlichen Theologie, das will sagen einer Theologie, die sich von der Bibel und der Väterlehre nährt», geprägt sein möge. Der Papst nahm den ihm zugespielten Ball auf: «Der von Ihnen gewünschten Entfaltung einer ‹konkreten und geschichtlichen› Theologie, ‹die sich auf die Heilsgeschichte konzentriert›, möchten wir Unsererseits gerne zustimmen, und die Anregung verdient, so scheint Uns, gründlich geprüft zu werden». Paul VI. beliess es nicht bei Absichtserklärungen, sondern wurde selbst «konkret»: «Die katholische Kirche besitzt Einrichtungen, die durch nichts behindert werden, sich stärker auf solche Forschungen zu spezialisieren oder gar eine neue Institution zu schaffen, wenn das die Umstände nahe legen sollten». In der Folge des Dialogs zwischen Paul VI. und Skydsgaard kam es zur Gründung des Tantur Ecumenical Institut in Jerusalem (zu dessen Geschichte http://tantur.org/about-us/history-aims/). Auch die Konzilstexte, v.a. die Pastoralkonstitution Gaudium et spes, speisten sich immer mehr aus einem «konkreten und geschichtlichen» Ideal von Theologie, das sie zugleich nährten. Zwar wurden die dem Dialog zwischen Paul VI. und Skydsgaard konkret zugrundeliegenden, zur Konzilszeit einflussreichen, Konzeptionen von «Heilsgeschichte» (etwa diejenige des Basler Theologen Oscar Cullmann) nach dem Konzil durchaus auch hinterfragt. Hinter die mit dem Stichwort «Heilsgeschichte» verbundenen Herausforderungen und Chancen können Kirche und Theologie nach dem II. Vaticanum aber nicht zurück. In diesem Sinn kann man mit Henri-Marie Féret OP in dem ökumenischen Plädoyer Pauls VI. und Skydsgaards durchaus einen «veritablen Wendepunkt in der Geschichte der christlichen Theologie und genauer gesagt ihrer Methodologie» sehen.
(Michael Quisinsky; Zitate nach Qu 280f; vgl. auch Co 1,486)
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