Einer der vielen Vorteile, den das Pastoralassistentinnen-Dasein für mich hat: Dieses Jahr musste ich mich praktisch gar nicht darum kümmern, wo ich Heiligabend feiern werde – ich kann mich einfach meinen derzeitigen Mitbewohnern anschliessen. Sehr praktisch, und auch sehr angenehm, weil ich da selbstverständlich willkommen bin.
Das ist so eine Sache mit dem Weihnachten feiern: Vor ein paar Jahren sass ich mal mit ein paar kirchlich Engagierten zusammen und hab dort vorgeschlagen, man könnte doch eine Art «Heiligabend-Börse» starten, die Menschen, die dann gern jemanden zu Gast hätten, zusammenbringt mit Menschen, die gern mit anderen zusammen feiern möchten, aber noch niemanden haben. Das sei keine gute Idee, war die Reaktion, weil die Menschen, die an Heiligabend keine Mitmenschen zum Feiern haben, sehr speziell seien, also einer «normalen» Familie nicht recht zumutbar. Nun ja. Dass ich selber zu dieser Gruppe gehörte, habe ich dann natürlich verschwiegen, ich wollte meine Gesprächspartner ja nicht überfordern 😉 Aber es war tatsächlich so: Nach der Trennung von meinem Mann war ich wieder in der Situation, dass ich mir einen Ort und Menschen zum Weihnachten feiern suchen musste. Das betrifft auch Theologinnen – in meinem Fall: Vorher bereits einige Jahre als junge Frau, als ich nach dem Auszug aus meinem Elternhaus nicht in die zu Weihnachten für mich besonders schwierige Atmosphäre zurückkehren wollte.
So habe ich in verschiedenen Jahren ganz unterschiedlich gefeiert: In einem Kloster, mit einer Freundin in Jerusalem, in sozialem Engagement, immer wieder mit Bekannten, die sich für diesen Abend zusammengefunden haben. Das ist nicht einfach – Heiligabend ist für mich einer der schwierigsten festen Termine im Jahr. Aber was ich in diesen Jahren gelernt habe: Wir sind nicht Wenige. Ich bin wirklich nicht die Einzige, die jedes Jahr neu einen Ort sucht für Weihnachten, weil die Feier in der Familie nicht (mehr) möglich ist.
Und ehrlich gesagt: Spät abends im Gottesdienst bin ich manchmal nicht nur (wie vielleicht auch einige, die den Abend mit ihren Familien verbracht haben) erleichtert, dass ich diesen Abend wieder einmal gut überstanden habe – manchmal finde ich mich, mit meinem Ort-Suchen und meinen Zufallsbekanntschaften und meinen Schwierigkeiten gar nicht so weit weg von Bethlehem wieder…
Karin Reinmüller
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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