Konzilserinnerung – mit oder ohne Freude?

Rückblende: 11. Oktober 2012. 50. Jubiläum der Konzilseröffnung. «Gaudet Mater Ecclesia»… davon war kaum eine Spur. Oft hiess es, die Ziele des Konzils seien nicht erreicht worden – immer ohne Begründung. Bestenfalls wurde eine typisch eurozentrische Sicht eingenommen:
Ja, hier, mitten in Europa hat sich die gesellschaftliche Position der Kirchen verändert. Zum Negativen? Faktische Religionsmonopole wurden abgeschafft, Privilegien der Vergangenheit zurückgenommen… und viele Menschen gestalten ihre Kirchenbindung mit einer grossen Distanz. «Sicherheitsabstand» könnte man sagen.
Ist das schlimm? Nein. Menschen sehnen sich nach Freiheit. Nur die Wenigsten wünschen sich zurück in die Zeiten enger Traditionsbindung.
Kirchen haben in Mitteleuropa ihre Macht verloren – aber das widerspricht nicht dem Evangelium und schon gar nicht dem Aggiornamento. Es ging Johannes XXIII. schliesslich nicht um die Sicherung kirchlicher Macht unter neuen Bedingungen, sondern um die Treue der Kirche zu ihrer Sendung, die der Freiheit nicht widersprechen musste. Das ging 1962 und erst recht heute nicht mehr mit den Mitteln der Gegenreformation und der Pius-Päpste. Das Konzil hatte und hat auch in Europa eine Erfolgsgeschichte. Ohne das Konzil wäre die Kirche fortgefahren, ihre Traditionen mit Glauben und ihre Gewohnheiten mit dem Evangelium zu verwechseln.
Und weltkirchlich? Das Zweite Vatikanische Konzil wurde insbesondere in den selbstständiger und mutiger gewordenen Kirchen ausserhalb Europas zum Impuls, um eigene Wege in pastoraler Verantwortung zu gehen. Die Armen konnten aus dem Kirchenschatten treten. Die lange unterdrückten Kulturen wurden zur Ausdruckskraft des Evangeliums, und brachten es so zu Gehör, wie es noch nie zuvor gehört wurde. Im Kontakt mit Menschen anderer Religion wurde der Beitrag des christlichen Glaubens zu einer neuen Kraftquelle. Auch statistisch kann man die Erfolge sehen: Nie gab es weltweit mehr Gläubige, mehr engagierte Laien und auch mehr Priester als heute.
(ab)

Konzilsblogteam

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