Wie der Advent Hoffnung schenkt – in einer hoffnungslosen Welt

Wir haben es vielleicht einmal im Religionsunterricht gelernt: Der Advent ist eine Zeit der Erwartung. Denn das Wort «Advent» bedeutet: das, was auf uns zukommt.

Doch seien wir ehrlich: Sind wir als Gläubige während den nächsten Wochen wirklich Menschen, die etwas Besonderes erwarten. Es ist doch so: Viele von uns stöhnen wegen den vielen Terminen, die auf uns zukommen: Da gibt es ein Betriebsessen, dort in einem kirchlichen Verein eine mehr oder weniger besinnliche Advents- oder bereits eine Weihnachtsfeier. Und vor allem auch: Geschenke müssen eingekauft werden.

Wo bleibt da Zeit, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: auf die Verheissungen, welche die adventliche Botschaft der Bibel uns schenkt?

Eine solche Botschaft haben wir vorhin in der 1. Lesung gehört: Gott verheisst durch den Propheten Jesaja eine Zeit des umfassenden Friedens. Er selber werde Recht sprechen im Streit der Völker. Es werde auf der Erde Frieden herrschen. Wörtlich wird vorausgesagt: «Dann schmieden die Völker Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg" (Jes 2,4).

Wie weit wir von diesen Verheissungen entfernt sind, zeigt uns schon der Blick auf die erste Seite einer Zeitung, die erste Minute der Radio-Nachrichten und der Tagesschau. Krieg, Terror und millionenfache Vertreibung von Menschen dominieren die täglichen News. Allzu oft sehen wir, dass es immer schlimmer wird, von Jahr zu Jahr.

Von einigen Jahren habe ich den Aphorismus, den Spruch kreiert:

          Das Waffengeschäft blüht.

          Wie wird wohl die Ernte ausfallen?

Ich gebe zu, es ist ein makaberer Spruch. Als er vor ein paar Tagen bei der grössten Aphorismensammlung im Internet (www.aphorismen.de) als Tagesspruch zitiert wurde, spürte ich: Er ist heute noch viel aktueller als vor Jahren. Er wurde auch bestätigt durch den Spruch eines unbekannten Autors: «Wer Waffen sät, wird Flüchtlinge ernten.»

Halten wir hier ein. Es geht mir hier nicht darum, Panik und Angst zu verbreiten, wie es weltweit rechtsextreme, populistische Parteien tun – und damit Erfolg haben. Es ist ja nicht Aufgabe der Kirche, die Hoffnungslosigkeit noch zu vergrössern. Sondern im Gegenteil: Wir haben eine Botschaft der Hoffnung zu verbreiten – zum Beispiel so, wie wir es vorhin von Jesaja gehört haben: Friede ist möglich.

Vergessen wir nicht: Das Kind, dessen Geburt wir im Advent erwarten, hat als Erwachsener in seiner Verkündigung den Weg dazu gezeigt, nämlich in seiner Bergpredigt. Dort hat Jesus zum Verzicht auf Gewalt aufgerufen, die Friedfertigen und die Friedensstifter selig gepriesen:

Durch diese und noch andere Stellen der Bergpredigt zeigt uns Jesus den Weg zum Frieden. Dabei stösst er auch auf Widerstand. In den 80er-Jahren, in der grossen Debatte um atomare Nachrüstung und Hochrüstung, hat der damalige Bundeskanzler gespottet: «Mit der Bergpredigt kann man keinen Staat regieren.» Ein protestantischer Pfarrer widersprach ihm: «Und gegen die Bergpredigt kann man auch nicht regieren.»

Wir alle erinnern uns, wie die Geschichte weiterging. Die Bürgerrechtler in der DDR haben unter der Leitung der Kirchen den Protest organisiert. Sie demonstrierten friedlich mit Kerzen in der Hand. Die Mauer fiel, die Sowjet-Union zerbröckelte. Ein Spitzenpolitiker der untergegangenen DDR gestand: «Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen.»

Das Kind, dessen Geburt wir in diesen adventlichen Wochen erwarten, zeigt uns nicht nur gewaltfreie Wege zum Frieden.

Nein, wenn wir Jesu Worte, seine Botschaft und sein Beispiel ernst nehmen, können wir auch zu einer Welt beitragen, in dem es weniger Armut gibt. Denn er hatte ein Herz für die Armen und Schwachen. Wer als «randständig» galt, wurde von ihm in die Mitte geholt.

Ebenso zeigte Jesus, dass es für ihn keine minderwertigen Menschen gab. Alle waren für ihn gleich wichtig, die Gläubigen und die Andersgläubigen (die damals die Samariter waren. Für ihn gab es keine keine minderwertigen Ausländer und wertvollere Mitbürger.

Diese wenigen Stichworte beweisen: Wenn wir Jesus und sein Evangelium ernstnehmen, können wir in einer dunkel gewordenen Welt Lichter der Hoffnung anzünden.

Dierikon LU, Sa 18.30 Uhr, Root So 10 Uhr

 

 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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