Eine Antwort gibt vielleicht ein Blick auf die afrikanischen Stammesgesellschaften. Vielerorts herrschte die Überzeugung, dass jedes Übel auf Hexerei und Zauberei zurückzuführen sei. Und wer ist dafür verantwortlich? Sicher nicht die Leute meines Stammes, meines Dorfes. Die sind ja alle so gut und nett wie ich! Nein, es muss ein «Anderer» sein, aus dem andern Clan oder Dorf.
Wir haben von solchen ursprünglichen Gesellschaften die Angst vor den Andern – oder den Hass gegen sie! – als genetisches Erbe erhalten. Diese These vertritt ein exzellenter Afrika-Kenner: der polnische Journalist Ryszard Kapusinski in seinem Buch «Afrikanisches Fieber – Erfahrungen aus 40 Jahren».
Bleiben wir beim Thema «Xenophie», aber wechseln wir den Standort. Wie www.kath.ch kürzlich berichtete, führt die Uni Bern eine Studie dazu durch. Sie untersucht unter anderem die Rolle von Vorurteilen, die gegenüber anderen Religionsgemeinschaften bestehen.
Verwiesen wird, dass viel andere religionspsychologische Studien ergaben, dass religiöse Menschen mehr Vorurteile haben». Das liege daran, dass Religiosität oftmals nur anhand der Häufigkeit des Gottesdienstbesuches beschrieben werde. Damit erfasse man aber lediglich ein spezielles Milieu, nämlich: «Menschen, die eher traditionalistisch orientiert sind».
Eine Wissenschafterin der Berner Studie meint weiter: Wenn der Begriff «religiös» jedoch die persönlichen Erfahrungen und Rituale sowie das Nachdenken über die eigene Religion berücksichtige, hätten auf diese Weise religiöse Menschen oft viel weniger Vorurteile. Weshalb dem so ist, das möchte die Berner Studie herausfinden.
Wir sind gespannt auf die Ergebnisse!
PS: Wir können den Andern gegenüber tolerant sein, statt ihnen mit Ablehnung und Vorurteilen zu begegnen. Die Bilder des «Toleranzschiffes», das kürzlich ihn Zug anlegte, geben dazu Denkanstösse. S. unsere Einstiegsfoto!
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/warum-haben-wir-angst-vor-den-andern-oder-hassen-sie/