USA: Erwachen aus der Schockstarre

Der Schock sitzt tief, immer noch. Vor den Wahlen berichtete CNN laufend über die Kampagnen, mit Zahlen, die nicht auf diesen Ausgang schliessen liessen. Nun werden laufend neue Häppchen der bevorstehenden Präsidentschaft präsentiert. Es wird vermeldet, wer für Schlüsselpositionen gehandelt wird: bis jetzt ältere weisse Männer mit – zum Teil – sehr extremen Ansichten. Eine Präsidentschaft «für alle Amerikaner» rückt in weite Ferne. Das macht Angst, und diese Angst bekomme ich auch an der Versammlung der AAR(American Academy of Religion) und der SBL (Society of Biblical Literature) zu spüren.

Mehr als 9000 Teilnehmende sind zu dieser Konferenz in San Antonio/TX eingetroffen, Professorinnen/Professoren, Studierende, Publizisten, Leitende von Religionsgemeinschaften und Interessierte jeglicher Berufe haben die Gelegenheit, unter rund 1200 Vorträgen, Workshops und  runden Tischen Veranstaltungen zu besuchen. AAR/SBL bietet auch die grösste Ausstellung von Büchern und digitalen Medien im Bereiche Bibelwissenschaften und Theologie. Ein grosses Feld, weniger im kirchlichen als im religionswissenschaftlichen Bereich. Der Austausch zwischen Angehörigen des Judentums, Islam, Buddhismus und dem Christentum ist sehr lebendig und unkompliziert.

Netzwerk feministischerTheologie

Seit 1995 gibt es jeweils das Vortreffen des Netzwerkes für feministische Befreiungstheologie, organisiert von Elisabeth Schüssler-Fiorenza und Mary Hunt von der «Women’s Alliance for Theology, Ethics an Ritual (WATER)».

Zu Beginn der Versammlung stellten sich die 65 Teilnehmenden aus 14 Nationen vor. Diese Runde machte klar, welche Chance die Vernetzung bietet.  Die registrierten Teilnehmerinnen sind mittels Mailing-Liste miteinander verbunden und können jeweils über laufende Projekte berichten.

In Kurzreferaten schilderten Nami King, (Spelman College Atlanta); Judith Plaskov, (Manhattan College New York) und Andrea Smith (Riverside University of California) ihre tiefe Betroffenheit zu den Wahlen. Der latente Rassismus erhält neu Nahrung durch die Hetze gegen illegale Einwanderer (vor allem mexikanischer Herkunft), die Islamophobie, die Infragestellung der Legalisierung der Ehe unter gleichgeschlechtlichen Paaren und der Fristenlösung. Befürchtet wird, dass rechtsextreme Bewegungen wie der KKK (Ku Klux Klan, bekannt durch die Terrorisierung der Schwarzen Bevölkerung in den 1960er Jahren) wieder erstarken. Die älteren Teilnehmerinnen fühlen sich an die Zeiten des Nationalsozialismus erinnert. Die USA bot da Schutz für zahlreiche Flüchtlinge. Die Teilnehmerinnen kommen aus verschiedenen Sprach- und Kulturkreisen und setzen darauf, dass die USA seine Offenheit und Multikulturalität bewahren kann.

Elisabeth Aeberli

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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