Die Frage der Geburtenregelung stellte sich nach der Einführung der Pille in einem neuen Kontext. Auffällig ist die Offenheit der Einschätzungen, die 1963 publik werden. Mit Blick auf das Konzil war zunächst wichtig, dass die Frage der «Ehemoral» angesichts der Pille in neuer Weise gestellt und beantwortet werden musste. Die neuen Möglichkeiten in der Gestaltung des Sexuallebens machten eine neue Einschätzung der Bedeutung ehelicher Intimität notwendig.
«Der Bischof von ‘s-Hertogenbosch, Bekkers, ergriff dann in einer Fernsehdebatte vom März 1963 als erster Position für ein neues Verständnis des Ehelebens, in dem die eheliche Liebe ihren besonderen und notwendigen Ausdruck in den Intimbeziehungen finde. (…) Dieser Erklärung folgte ein Hirtenbrief des gesamten niederländischen Episkopates (August 1963), der die neuen Mittel zur Steuerung der menschlichen Fruchtbarkeit ansprach, um deutlich zu machen, dass die Diskussion dieser Frage in der katholischen Kirche notwendigerweise offen sei. (…) In jener Diskussion, die sich in katholischen Kreisen entzündete, war nicht so sehr vor (negativer) Empfängnisverhütung die Rede, sondern von (positiver) Geburtenregelung. Hier liegt eine bezeichnende Akzentverschiebung vor.»
Die offeneren Positionierungen innerhalb des niederländischen Katholizismus lassen sich im Rückblick auch als Ausdruck eines gestiegenen Selbstbewusstseins katholischer Laien und Laiengruppen lesen. Die «Eigenverantwortung» der Laien verlangte – gestärkt durch das Konzil – nach einem «Ende der Einmischung bestimmter Kleriker in ‹Bettgeschichten›.»
(Grootaers, in A 2; 637f.; ab)
Konzilsblogteam
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