«Geospirituelle Verlagerung» der Konzilsrezeption

Karl Lehmann bringt die Dimension der Regionalisierung der Konzilsrezeption in Erinnerung. Diese Regionalisierung entspräche dem Konzil als Ereignis und könne ein guter Weg sein, um die Vielschichtigkeit der Bedeutung der Konzilstexte für die Gegenwart zu erschliessen. Es sei «notwendig, nicht nur einzelne Rezeptionsmodelle, die es in hoher Trennschärfe wohl auch gar nicht so leicht zu unterscheiden gibt, zu behandeln, sondern man muss alle oder wenigstens die wichtigsten Texte auf ihre jeweilige Wirkungsgeschichte hin verfolgen, wobei die regionalen Unterschiede und Akzentuierungen nicht zu vergessen sind» (Karl Lehmann, in: Sonderheft «Zur Debatte» 3/2013, 3).
Giuseppe Alberigo, der wohl bedeutendste Konzilshistoriker, sieht hier auch die theologische Rolle der Ortskirchen, die das Konzil gestärkt habe. Dabei macht Alberigo eine durchaus Europa-kritische Überlegung: Als Hilfe für ein dynamisch-offenes Rezeptionsverfahren des Konzils möchte er die «Stimmen von anderen katholischen Gegenden als der europäischen, die weniger in das ‹konstantinische System› verwickelt sind», gewichten. Der europäischen Rezeption des Konzils unterstellt er eine zu starke Institutionshaftung. Alberigo spricht von einer «geo-spirituellen Verlagerung» der Rezeptionsperspektive des Zweiten Vatikanums. (Giuseppe Alberigo: Treue und Kreativität bei der Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils. In: Antonio Autiero (Hrsg.): Herausforderung Aggiornamento. Altenberge 2000, 34.)
(ab)

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