Die Heiligsprechung von Mutter Teresa sehe ich als kirchlichen Schritt in die richtige Richtung. Es koennte ja sein, dass dadurch die Kirche selbst einen Sprung nach vorne macht in eine neuere noch teils unbekannte Spiritualitaet und ernuechternd erkennt:
a) Gott-Verlassenheit wird normal / richtig cf. Markus
b) seinen erkannten Auftrag im Menschendienst gottergeben durchhalten ist entscheidend cf. Lukas (und wer religioes sein will darf anerkennen: Menschendienst ist Gottesdienst.
c) Diese jesuanische Haltung ist der christliche Lebens-Sinn cf. Johannes
Die einen werden sagen: «Teresa ist Jesus nachgefolgt»; die andern: «Teresa ist auf-
erstanden» und einige: «Teresa ist eine saekulare, a-theistische Christin" geworden.
Dass einem Gott verloren geht, dass man einsieht, Gott ist nicht aktiv in meinem Leben –
er ist mir entzogen – das fuehrt einige dazu sich nicht mehr als «Glaeubige» zu verstehen sondern als A-Theisten. Wer sagt: «Gott hat mich verlassen» muesste erforschen: welcher Gott. Wenn Gott damit als aktives Subjekt anerkannt wird, dann wahrscheinlich nicht mehr als der patriarchische Jahwe-Gott sondern eventuell als «Lebens-Energie" (was ja bereits ein mystischer Fortschritt waere).
In der neutestamentlichen christlichen Praxis haengt nicht mehr die Schlange (das Boese, der Satan) am Pfahl – und daher im Blick – sondern das Opfer einer andern (religioesen) Politik; so sehr hat sich die Kultur nun schon gewandelt. In der zeitgemaessen Aufmerksamkeit steht ein – wie geglaubt wird – Erloeser, ein Heiler selbst am Pfahl; diesmal aber: gottverlassen – gottergeben; und das ist nun die christliche Art Leben zu vollbringen.
Ein hervorragendes Beispiel von einem modernen Gottes-Entzug ist fuer mich das Leben von Elie Wiesel (A-7713). Er erkannt im Auschwitz-Erlebnis, dass der beruehmte Jahwe-Gott seines juedischen Volkes tot war; der geglaubte Gott wirkt, ist nicht mehr. Dass der Jahwe-Gott der Befreiung und der Begleitung, der Gott des Moses und der Propheten so sehr allem schrecklichsten Geschehen sich entzieht – das ist fuer E. Wiesel unfassbar – aber er musste damit leben lernen. Wie so viele andere heute auch…
Hans Leu
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant