Niemand käme nun wohl auf die Idee, die eigene Sprache als die einzig richtige und wahre zu definieren und damit den anderen Sprachen Sinn und Wert abzuerkennen. Vielmehr ist es eine unglaubliche Horizonterweiterung, andere Sprachen zu lernen, in ihre Klangwelt und Begriffsvielfalt einzutauchen. Wer etwa – was ein Privilegium von uns Theologen/innen ist – die Grenze zwischen indogermanischer und semitischer Sprachwelt überschreiten durfte, lernt sehr viel, nämlich wie unglaublich vielfältig Menschen ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und Gefühle ausdrücken können, lernt vor allem, dass es ganz andere Systeme dafür gibt, von denen wir aufgrund unserer Herkunft und Bildung nicht einmal wissen konnten.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant