Als «Haustochter» in einer von Schwestern «Unserer Lieben Frau» geführten Villa in Rom erlebte Heidemarie Kühnle das Konzil. Sie war eine von zwölf jungen Frauen, die pro Jahr dort aufgenommen wurden, um Hauswirtschaft zu erlernen. Martin Jade schildert die Erfahrungen von Heidemarie Kühnle im Sonntagsblatt der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Heidemarie Kühnle verbindet die Zeit in Rom mit spannenden Erinnerungen. Neben der Schwärmerei für einen besonders attraktiven Bischof, «In den waren wir alle ein bisschen verknallt», sind es alltägliche Erfahrungen, die in Erinnerung geblieben sind. «Immer wenn die Bischöfe mittags kamen, haben sie uns gefragt: ‹Mädchen, was habt ihr uns Gutes gekocht? Wir haben Hunger!›»
Im Umgang mit den Bischöfen setzte sich bald eine gewisse Schnörkellosigkeit durch: «Die Schwestern haben uns angewiesen, einen Kniefall zu machen, wenn wir einen Bischof grüssen, aber die haben uns gleich an der Hand gepackt und wieder hochgezogen. Die wollten das absolut nicht.» Zwar haben die Haustöchter die theologischen Themen, die bei Tisch verhandelt wurden, nicht verstanden, aber es sei zu spüren gewesen, ob das Konzil gerade an einer entscheidenden Stelle gewesen sei, oder ob eher weniger spannende Fragen behandelt wurden. Die tastenden Schritte der Bischöfe auf ihrem Weg hin zu neuen liturgischen Formen sind auch Heidemarie Kühnle in Erinnerung geblieben:
«Das Beeindruckendste für mich waren die Proben der neu eingeführten Konzelebration […] Da sind die ganzen Bischöfe gemeinsam um den Altar in der Kapelle der Schwestern gestanden und habe das richtig geübt.»
(ab; Martin Jarde: «Mädchen, habt ihr was Gutes gekocht?». Das Porträt. Heidemarie Kühnle aus Reutlingen, in: Sonntagsblatt [Bistum Rottenburg-Stuttgart], Diözese Aktuell 16, 4/2013)
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