Am 30. November 1888 in Ballrechten (Baden, D) geboren, trat Otto Karrer 1910 in den Jesuitenorden ein. Nach der üblichen Ordensausbildung sollte er Ordenshistoriker werden und für die 1923 vorgesehene Seligsprechung von Robert Bellarmin dessen antiprotestantische Polemik rechtfertigen. Das führte Otto Karrer in eine Kirchenkrise, die 1923 zum Austritt aus dem Jesuitenorden und zur Konversion in die evangelisch-lutherische Kirche führte. Die lutherische Kirche aber hatte auch eine Kirchenraison und versuchte, die Konversion Karrers propagandistisch auszunutzen. Dies führte schnell zur Rückkehr Karrers in die römisch-katholische Kirche. Da der Wiedereintritt in den Jesuitenorden nicht mehr möglich war, nahm ihn der Churer Bischof Georg Schmid von Grüneck in seinen Diözesanklerus auf. Nach einem Bussjahr bei den Immenseer Missionaren in Wohlhusen durfte Karrer wieder der Eucharistie vorstehen, das Recht, Beichte zu hören, blieb jedoch zwischen den Ordinariaten von Solothurn und Chur strittig.
Erst die Rehabilitation von Kardinal Ottaviani vom 19. Juli 1963 gab Otto Karrer im Alter von knapp 75 Jahren wieder alle priesterlichen Rechte zurück.
Diese Rechtsunsicherheit prägte das Leben von Otto Karrer, der sich 1925 in Weggis und ab 1928 in Kriens niedergelassen hatte, bis 1963. «Als geistlicher Schriftsteller, Prediger und Seelsorger an der Pauluskirche in Luzern entfaltete Karrer eine Vermittlertätigkeit, die ihn zu einem Pionier der ökumenischen Bewegung in der Schweiz und im deutschen Sprachraum sowie zu einem Wegbereiter des 2. Vatikanischen Konzils werden liess» (Victor Conzemius). Eine Lehrtätigkeit war ihm wegen des besonderen Rechtsstatus nicht möglich; die Dominikaner an der Universität Freiburg i. Ü. wachten über ihre Monopolstellung, und Professoren der Theologischen Fakultät in Luzern wurden nicht müde, Karrer zu denunzieren. 1942 wurde eine Schrift über das Gebet auf den Index gesetzt – aufgrund aus dem Zusammenhang gerissener Passagen, wie später zugegeben wurde.
(ufw; Victor Conzemius: Otto Karrer [1888–1976]. Theologe des Aggiornamento, in: Stephan Leimgruber u.a. [Hrsg.]: Gegen die Gottvergessenheit. Schweizer Theologen im 19. Und 20. Jahrhundert. Basel-Freiburg i. Br.-Wien 1990, S.576–590)
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