Gott-Entzug's Ahnung (3)

Mattheus wehrt sich gegen diese Ausblendung. Fuer ihn ist es unglaublich, dass Jesus gott-verlassen stirbt. Dass Gott sich entzieht, das ist fuer einen Juden schlicht unmoeglich. Aber gerade diese Unmoeglichkeit bekraeftigt Mattheus mit der Bemerkung: «ein Schrei – und er gab sein Leben, seinen Geist auf»«. Das beruehrende «eli eli lama sabakthani?" wird unterstrichen, bekraeftigt mit einem lauten ungeklaerten  Schrei. Es bleibt dabei: Mit dem Gottes-Entzug hat JvN sein Leben auf-gegeben; es war das Ende.

Lukas will das bestaetigen. In der totalen Finsternis, wo sogar der Tempelvorhang riss, laesst Lukas Jesus laut deklarieren: «Gott – wo immer, wie immer du bist – mich verlassend, irgendwie verloren, jedenfalls mir entzogen – so gilt doch: Jedenfalls in deine Haende uebergebe ich mich; mein Leben ist uebergeben, auf-gegeben in Deine Haende, ob du mich verlassen hast oder nicht; ob ich gott-verloren bin – was zaehlt ist die Uebergabe meines Lebens in Deine Haende, in Deine Obhut, in Deinen Schoss…  Lukas erweitert das «verlassen» in ein «uebergeben so oder so»…  Fuer Lukas ist das Uebergeben entscheidend; JvN ist einer, der sich in seinem Leben und Sterben Gott uebergeben hat…

4. HINGABE an Gott  /  Die Jesus-Revolution
Es ist nun entscheidend wichtig zu erkennen, was fuer Lukas die Selbst-Uebergabe eines Menschen an Gott bedeutet. Jesus hat sich dem Heiligen Gott uebergeben… (das ist die uralte religioese Sprache) aber tatsaechlich ist schon in der Lk-Verkuendigungs-Szene (Gabriel) diese Uebergabe definiert: Der Jahwe-Gott hat die Sich-Selbst Uebergabe an Menschen praktiziert, vorexemplifiziert. Das Schicksal Jesu (wie immer geschildert im NT) zeigt dies eindeutig: Das Schicksal Jesu liegt zuerst in den Haenden der jungen Mirjam, in ihrem menschlichen Gott-Vertrauen, dann in ihrem Schoss (Barmherzigkeit), dann in den Entscheidungen des Joseph und seither in den Haenden der Menschen … Freund (Petrus) und Feind (Pontius Pilatus)…
Lukas zeigt deutlich, JvN ist immer schon uebergeben – in die Haende der Menschen (das ist der Wille Gottes). Jesus aber wird nun  geschildert als der, der im Bewusstsein lebt, derade dieses heisst: in die Haende Gottes uebergeben zu sein; cf. KENOSIS!  in Gott zu leben. Das ist eine bewundernswerte Bewusstseins-Erhellung – dies zu proklamieren, dazu ist die christliche Kirche da! Bis heute  wird dies veranschaulicht in der Kath. Messe beim Kommunion-Empfang, wo der «Leib Christi» in die Haende der Menschen uebergeben wird und nur so in die Haende Gottes. Bei Lukas daemmert es: dieses faktische Uebergeben-sein in die Haende der Menschen ist religioes definiert als «Jahwe-Gott, in Deine Haende empfehle ich meinen Geist, mein Leben» (Die Menschen-Haende als die Haende Gottes gesehen). Das ganze Neue Testament versucht uns zu ueberzeugen, dass die religioese Uebergabe an Gott nun eine Uebergabe an die Menschen bedeutet (Kenosis) was immer das fuer Konsequenzen hat. Wer sich den menschlichen Haenden Jesu ausliefert, wird geheilt. Jesus hat nicht dem Jahwe-Gott gedient – faktisch hat er seinen Dienst fuer das Heil der Menschen ausgefuehrt; er hat sie sehend, gar hoerend, gehend gemacht; er hat nicht Gott geheilt. Er ist das «Brot fuer das Leben der Welt» (nicht fuer das Leben Gottes). Er ist fuer die Menschen da,
in den Haenden der Menschen. JvN hat zwar die Menschen von falschen Gottes-Konzepten geheilt – nicht aber dem ewigen Geheimnis Gott Heilung gebracht…  »Gott ist unheilbar«.

 

Hans Leu

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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