Elisabeth Gössmann 85 Jahre

Elisabeth Gössmann, eine der Gründerinnen der theologischen Frauenforschung und einer feministisch-theologischen Hermeneutik, die sie selbst «zwischen den Welten», ihrer Professur an der Sophia-Universität in Tokyo und einem Lehrauftrag an der LMU in München, entwickelt hat, ist am 21. Juni 2013 85 Jahre alt geworden. Sie hat in ihrer Autobiographie «Geburtsfehler: weiblich. Lebenserinnerungen einer katholischen Theologin» (München 2003) darauf hingewiesen, dass die Gründungsgeschichte der feministischen Theologie bereits in der «das Konzil vorbereitenden, also der (zu Unrecht oft geschmähten) vorkonziliaren Theologie» (283) zu verankern ist.
Elisabeth Gössmann hat bereits 1962 die Publikation «Das Bild der Frau heute» vorgelegt, in der sie die These von der «Unableitbarkeit des Frauseins vom Mannsein» sowie der «gleichen Unmittelbarkeit des Menschseins im Mann wie in der Frau» (Geburtsfehler 281) formuliert hat. In der zweiten Auflage 1967 fügt sie ein Kapitel mit dem Titel «Das Konzil zur Stellung der Frau» ein. Nach den Konzilstexten gibt es «keinerlei Zurücksetzung der Frau gegenüber dem Mann, sei es in ihrem geistlichen Leben, sei es in den neu entdeckten Funktionen des Laienstandes, sei es in der Anerkennung ihrer Wirksamkeit in der modernen Gesellschaft und Öffentlichkeit. Die Konzilstexte sprechen nirgendwo von einer hierarchischen Struktur der Ehe, beschreiben aber faktisch unter dem Gedanken der Liebe die partnerschaftliche Form der Eheführung. Das Ergebnis der Kon­zilstexte für die Frau ist also die Gleichberechtigung mit dem Mann im Laienstand, wann man es einmal so nennen will» (Geburtsfehler 281f). Elisabeth Gössmann hat in ihren Forschungen dazu beigetragen, dass das Frauenbild des Neothomismus revidiert wird und hat vor allem in ihren mediävistischen Studien auf die Fehlentwicklungen in der Interpretation der ersten drei Genesis-Kapitel in der christlichen Tradition hingewiesen. In der Nachkonzilszeit hat sie mehrfach angemahnt, auf dem Hintergrund einer Theologie des gemeinsamen Priestertums und der Stärkung des Laienapostolats neue Formen der Partizipation und Kommunikation für Frauen in der Kirche zu erschliessen und auf eine «unideologische» Weise die Ämterfrage – gerade auch für Frauen – zu diskutieren.
 
(Margit Eckholt)

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