Armut ahnt Reichtum

In Namibia haben wir ein eigentliches Ministerium zur Bekaempfung der Armut; ein lutherischer Bischof ist der Minister, gewiss inspiriert vom Evangelium, wo Lukas (16.1-13) ihn erinnert, dass er sich zu entscheiden hat zwischen Gott und dem Geld, das er so dringend braucht und wo Lukas (16.19-31) ihm auch klar macht, dass Mr. Rich fuer die Hoelle bestimmt ist, denn das drop-drop Prinzip taugt zuwenig zur Armuts-Entwurzelung (eradication). Das Ministerium und seine Armuts-Bekaempfung-Methoden sind natuer-lich heftig umstritten. Das hilft dem Minister mit der zeit klueger zu werden und einen Blick in die andern Ministerien zu wagen, wo Armut ja auch produziert wird – zugunsten von Mr. Rich.

Hier will ich den Minister nicht vor die Entscheidung stellen: Gott oder Geld; auch nicht vor die Entscheidung: Lazarus oder Mr. Rich. Im funktionalen ausbalancierten UND liegt die pragmatische Strategy.

Hier steige ich zur tieferen Frage hinab: wenn Christen sich entscheiden, an Gott als Schoepfer des Himmels und der Erde zu glauben, haben sie sich dann grundsaetzlich fuer Reichtum oder fuer Armut entschieden? Fuer mich ist die Antwort klar: Gott hat seine Schoepfung unendlich reich gemacht. Alle Wissenschaften staunen darueber und die Weisheit ist beruhigt: Die Dynamik der Atome, das Sprudeln der Worte, die Geistes-Blitze, die Orchester der Kulturen und gesellschaftlichen Systeme – ein Feuerwerk der unbegrenzten reichhaltigen Kreativitaet. Dieser Glaube an den Reichtum der Schoepfung ist grundsaetzlich und die aktive Teilnahme der Geschoepfe daran ist eine Einladung und Verpflichtung fuer alle. Das sollte die Kirche viel deutlicher ver- kuenden als sie es heute tut. Und wenn wir mit unserem begrenzten Verstand Fehl-Entwicklungen feststellen, zie zB: Armut, Behinderung, Unter-Entwicklung, Resourcen-Missbrauch etc… , dann haben wir ein Problem, dem wir uns verpflichtet fuehlen. Aber deswegen Armut zu einem Geluebde zu machen (noch 2016), das geht eindeutig zu weit; diese Armut-Heilig-Sprechung ist ungesund und zerstoerend. Wer nicht hat kann nichts teilen und das ist alles andere als gesund.

Armut ist ein Signal, dass etwas falsch gelaufen ist und wir haben das System, das diese Fehl-Entwicklung zulaesst zu heilen. Reichtum ist Voraussetzung, dass Armut Vorahnung von Reichtum wird. Armut ist ein Vorstadium von Reichtum; die Ahnung, dass Reichtum Wirklichkeit werden kann… das Reich Gottes ist moeglich; es ist zuhanden gegeben… in die Haende der Menschen uebergeben.

Namibia «Der reiche Mann…» (Motherland) Lk 16.1 + Lk 16.19 – das ist kein Geheimnis. Und einige Namibier sind inzwischen «steinreich». Lazarus haben wir viele,
sie sitzen ueberall; einige bewachen sogar – auch mit wenig Lohn – den Reichtum einiger… Wenn Namibia heute sterben muesste…  es kaeme – gemaess Lukas – direkt in die Hoelle, trotz dem Minister Bischof, denn es gibt einfach immer noch zuviele Lazarus. Und einen Tropfen Wasser von Lazarus gibt’s fuer Mr. Rich / Namibia auch nicht, denn wir erleiden eine Duerre-Katastrophe. Und auf einen Auferstandenen zu hoeren geht auch nicht – allein schon weil der schweigt. Der Verwalter (Lk 16.1-10) ist mehr als korrupt – und wird gelobt, weil das drop-drop Prinzip wenigstens das nackte Ueberleben verheisst – mehr nicht.
Ist es eine Loesung fuer Lazarus: mach den Reichtum zum Freund und du wirst willkommen geheissen in der Fuelle des Lebens…

Hans Leu

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/armut-ahnt-reichtum/