Das war mal ein ganz anderer Gottesdienst

Vor Kurzem bin ich zurückgekommen von den Einführungstagen meines Pastoralkurses. Wir sind zu zwölft und werden im Verlauf des nächsten Jahres einige Kurswochen zusammen im Priesterseminar St. Luzi in Chur verbringen. Diesmal war ich die einzige Frau (das wird sich ändern), was mich an meine Physikerinnen-Vergangenheit erinnert hat, ein bisschen Nesthäkchen-Feeling kam auch auf, weil einige meiner Kurskollegen schon seit Jahren in der Pfarreipastoral arbeiten.

Am Morgen hatten wir gemeinsam Gottesdienst mit den Seminaristen. Ziemlich früh für mich, deswegen erstmal etwas verschlafen. Und dann doch ganz schön erstaunt: Da haben die Männer im Altarraum, ein paar Stufen über mir, eine Messe am Hochaltar gefeiert, ohne sich ein einziges Mal überflüssigerweise zu uns umzudrehen. Ich weiss, indem alle gleich ausgerichtet sind, soll die gemeinsame Ausrichtung von Zelebrierenden und Mitfeiernden auf Gott hin ausgedrückt werden. Aber mein Gefühl war: Die feiern da mit Gott – und ich bin Zuschauerin. Der Effekt wurde unterstützt durch die Stufen, die zum Alter hinaufführten, wie auf eine Bühne. Aber anders als auf einer Bühne, wo etwas «aufgeführt» wird, konnte ich hier nichts von den Gesichtern der Zelebrierenden wahrnehmen. In der Burka-Debatte der letzten Monate wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es in unserer Kultur ist, das Gesicht des Anderen zu sehen, ihm in die Augen sehen zu können. Das war bei dieser Art der Feier nicht gegeben. Ich fühlte mich, obwohl ich mit den Zelebranten gemeinsam gefeiert habe, auf mich allein gestellt. Und ich muss zugeben – ich habe Gott nicht gut gefunden in dieser Messe. Mir fällt das offensichtlich leichter, wenn ich sehen kann, wer mit mir feiert, wenn ich auch in den Zelebranten erkennen kann, dass wir gemeinsam Christus begegnen.

Karin Reinmüller

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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