Vor zwei Wochen war ich bei «Bike for God» dabei. Aus dem ganzen Dekanat Winterthur radelten, einzeln oder in Gruppen, Pfarreimitglieder zur Kirche St. Stefan in Wiesendangen. Dort fand ein Gottesdienst statt, bei dem unsere Velos gesegnet wurden, anschliessend gabs eine Einladung zum Grillieren. Ich war mit der «offiziellen» Gruppe von St. Ulrich unterwegs, die aus dem Gemeindeleiter, seiner Frau und mir bestand – die kurze Strecke von Winterthur aus stellte zum Glück keine überhöhten Anforderungen an meine nicht vorhandene Fitness. Und ich habe dort diverse Menschen kennengelernt, die wie ich im kirchlichen Dienst arbeiten – sowie den freundlichen Hund des Pfarrers aus einem Nachbardorf, der gleich mit dem Auto gekommen war. Nach meiner nicht repräsentativen Kennenlern-Quote wären so etwa die Hälfte der TeilnehmerInnen kirchliche MitarbeiterInnen gewesen.
Und da komme ich zu dem Grund, weshalb mich dieser vergnügliche Nachmittag immer noch beschäftigt: Ich bin gern erfolgreich. Und Erfolg hat für mich mit Teilnehmerzahlen zu tun. Ich träume (völlig unbegründet) von Kirchenbänken voller Menschen, die hingerissen meiner Predigt lauschen – und weiss doch eigentlich, dass in der Seelsorge die Einzelne wichtig ist, Qualität, nicht Quantität. So gesehen ist mein Erfolgsstreben ein ziemliches Hindernis beim Versuch, in «Gods Business» so gut wie möglich mitzuarbeiten. Andererseits werde ich aber den Gedanken nicht los, dass wir nicht alles ganz richtig machen, wenn das, was wir als Kirche anbieten, den Bedürfnissen der Menschen so wenig entspricht, dass sie lieber zu Hause bleiben. Da bleibt noch eine Frage offen.
Karin Reinmüller
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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