Wir in Namibia sind in einer relativ guten Lage: Wir haben zwar nicht genug Priester fuer alle unsere Pfarreien und Gemeinden – aber wir sind nicht mehr in einer extremen quantitativen Notlage. Unsere Notlage liegt im qualitativen Eucharistie-Verstaendnis.
Auch unsere Priester brauchen dringend «Spiritual Exercise» – sowohl fuer das «Geist-
liche Erwachen» als auch fuer die «Soziale Bindung». Mein Vorschlag: im Jahr zweimal
je 5 Tage «Exerzitien».
In fact: Unsere Priester sind sonntgas zu oft «abwesend»: Zuviele Feste rufen die Priester aus den Gemeinden, sei es die Familie, die Jubilaeen, die Fortbildung oder die Weihen etc… zuviele Gemeinden sind am Sonntag ohne Eucharistie; wenn’s gut geht, feiern sie «Wort-Gottes-Dienst». Wir rufen die Leute zur Versammlung, zur Messe – sind aber selber abwesend… das ist unlogisch, unfair, ungerecht, untheologisch! Darum hab’ ich aus Protest alle Sonntags-raubenden Teilnahmen verweigert.
Theologisch gesehen kommen wir zusammen – zuerst – wegen unseren christlichen Mitmenschen,um ihnen zu begegnen, um mit ihnen «Leib Christi fuer unsere Zeit zu werden» … und dann – zweitens – um miteinander Dank zu sagen, und dann – drittens – um das Wort Gottes und das Brot fuer das Leben der Welt zu empfangen. Ohne Zusammenzukommen um einander irgendwie anzunehmen gibt es keine Heilige Messe. Erst dann geht es um die Verwandlung der Gemeinde in den «Leib Christi». Die Verwandlung eines Textes in das Wort Gottes, die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib Christi – diese Verwandlung dient der Verwandlung der Gemeinde. Nicht Gott hat das Wort noetig, nicht Gott hat das Brot noetig – wohl aber wir Menschen. Das Wort Gottes und das Brot des Lebens wird gegeben fuer das Leben (in) der Welt. «Eucharisti- sches Wort und Brot» sind nicht ein Wert in sich – weder um angebetet, ausgestellt noch um verachtet zu werden – ihr Sinn ist es, als Geschenk angenommen, verarbeitet zu werden als Nahrung, als Energie, als Verwandlungs-Impuls. Verwandeltes Wort und vewandeltes Brot sind im Dienst der notwendigen Welt-Verwandlung. Und der Priester, der sog. Vorsteher, gehoert in diesen und zu diesem Verwandlungs-Prozess der Gemeinde wesentlich! Wenn der Pfarrer meint, er sei ueber und ausserhalb der Gemeinde, koenne sie zusammenrufen zur Verwandlung – sich selber aber dispensieren, dann hat er vom Priestertum Jesu wenig verstanden. Und die Bischoefe, die diese Abwesenheit tolerieren oder gar ansagen haben noch weniger verstanden. Es ist hoechste Zeit, dass die Kath. Kirche eine gesunde, heilende, einende Gemeinde-Pastoral entwickelt.
Hans Leu
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant