Am Ordensleben schieden sich während des Konzils die Geister. Welche Rolle kam den Mitgliedern der Orden innerhalb einer Kirche zu, die gerade im Begriff war zu lernen, dass sie Volk Gottes ist? Jede «Sonderstellung» innerhalb des Volkes Gottes wurde hier zu einem Problem. Bislang kam den Orden eine spezifische Sonderstellung zu. Ordensleute galten als «Stand der Vollkommenheit» und galten zumindest in Sachen Spiritualität und Heiligkeit der Lebensführung sogar einfachen Weltpriestern als überlegen.
Die Konzilsmehrheit, «die bereits zuvor eine pyramidale Kirche verworfen hatte und für die Kollegialität und eine Kirche als Volk Gottes plädiert hatte, widersetzte sich jetzt auch einem in Etagen denkenden Spiritualitätsideal mit den Ordensleuten auf höchster Ebene der Pyramide. Den Erneuerern lag nicht einfach nur daran, den vorgeschlagenen Text zu modifizieren, sondern sie wollten in Wirklichkeit neue Perspektiven eröffnen, indem sie die universelle Berufung zur Heiligkeit in den Mittelpunkt rückten, von der sich dann die besonderen Formen der Spiritualität ableiteten, die jedoch alle gleichermassen Geltung hätten. Das war es, was nach unserer Auffassung Ende Mai 1963 auf dem Spiel stand» (J. Grootaers).
(ab; A 2,486f)
Konzilsblogteam
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