Seit einer Woche bin ich jetzt als Pastoralassistentin in «meiner» Pfarrei. In der letzten, meiner ersten, Woche war der Gemeindeleiter nicht da, so dass ich weitgehend selbst bestimmen konnte, was ich kennenlernen möchte. Und ich merke, wir mir diese Art von Arbeit noch ungewohnt ist – bis jetzt hatte ich immer Aufgaben, die zu erledigen waren, ob beim Software entwickeln oder beim Schreiben theologischer Arbeiten. In der letzten Woche ging es immer wieder ums Dabeisein, da ist viel weniger greifbar, ob ich etwas gut oder auch «fertig» gemacht habe. Da fehlt mir noch der Boden unter den Füssen, ich weiss nicht, was von mir erwartet wird und vor allem, ob ich den Erwartungen entsprechen kann – ich möchte meine Sache gern gut machen, aber habe noch kein Gespür dafür, was gut ist.
Das ist mir sehr bewusst geworden, als ich am Freitag nachmittag recht spontan zur nahen reformierten Kirche Rosenberg gegangen bin, in der jetzt Flüchtlingsfamilien untergebracht sind. Mit Flüchtlingen habe ich letzten Sommer als Freiwillige gearbeitet (https://werkheftonline.wordpress.com/2015/09/16/erfahrungsbericht-von-der-mitarbeit-im-fluechtlingsprojekt-in-ragusa/), mit einer sehr positiven Erfahrung. Als ich vor der Kirche einige Menschen antreffe, mit wenigen deutschen Worten ins Gespräch komme, zu arabischem Kaffee eingeladen werde – da spüre ich auf einmal, dass ich hier etwas tue, was ich kenne und kann. Dass ich, so wie ich da bin, auch wenn ich nichts ändern kann an der engen und schwierigen Wohnsituation (zu fünft in einem kleinen Raum, also praktisch ohne Privatsphäre, und das seit Anfang des Jahres), richtig bin hier.
Ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen noch andere Orte und Menschen finde, wo ich richtig bin.
Karin Reinmüller
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant