Ende März war der neue Entwurf von De Ecclesia in die Koordinationskommission gekommen, am 22. April gab das Staatssekretariat den Text offiziell frei, und im Mai erfolgte der Versand an die Bischöfe auf der ganzen Welt. Sie erhielten Gelegenheit, noch vor Beginn der zweiten Konzilsperiode ihre animadversiones [Beobachtungen] schriftlich einzubringen.
An vielen Orten profitierte diese Arbeit von den konziliaren Prozessen, welche seit bald einem Jahr im Gang waren. Für die Beteiligten wirkte das neue Schema weit weniger überraschend, als es noch bei der ersten Version der Fall gewesen war. Ihren Beurteilungen legten die Bischöfe Überlegungen zugrunde, mit welchen sie Anfang Dezember 1962 in Rom konfrontiert wurden, und sie konnten sich auch auf eigene Stellungnahmen stützen, die sie bereits früher abgegeben hatten. Einige von ihnen wiederholten Kritikpunkte, welche bei der Überarbeitung unbeachtet geblieben waren. Ins Gewicht fiel der Umstand, dass das Kirchenschema gemeinsam mit anderen Akten zum Versand kam – insbesondere der gleichzeitig zugestellte Entwurf zum Dekret über die Bischöfe beeinflusste die Stellungnahmen.
Eine bedeutende Rolle spielten Überlegungen zur Kollegialität der Bischöfe und zur Stellung der Bischofskonferenzen. Das Bischofskollegium liess sich nun verstehen als ekklesiologische Grösse mit einer Bedeutung, die im Glauben gegründet war und die weit hinausreichte über das Funktionale einer Kooperation und erst recht über affektive Zusammengehörigkeit. Bischöfe sind qua Ordination in das Kollegium eingegliedert, nicht einfach aus Gründen der Effizienz oder aus Interesse am freundschaftlichen Austausch. Zu kritischen Bemerkungen gab der Status der Bischofskonferenzen Anlass, welche in der theologischen Tradition nicht verankert sind. Gegen die Vorstellung, dass auch sie Ausdrucksform der Kollegialität sein können, wurden Einwände erhoben. Die Unsicherheit sollte in abgeschwächter Form das Konzil überdauern und später auch nach der Revision des allgemeinen kanonischen Rechtes weiter bestehen.
(Markus Ries; vgl. Klaus Winterkamp, Die Bischofskonferenz zwischen «affektiver» und «effektiver Kollegialität». Münster 2003 (= Studien zur systematischen Theologie und Ethik 43), 160-174.)
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