Wahrheit als erste pastorale Pflicht

Das Auftreten von Papst Johannes XXIII., der in seinen Begegnungen Wert darauf legte, gütig zu wirken und jede Belehrung zu vermeiden, kollidierte offensichtlich mit dem Verhalten von Pater Sebastian Tromp SJ, dem Sekretär der Theologischen Kommission des Konzils. In einem Interview über die erste Session 1962 und die darauf folgende Intersession äusserte sich Tromp bezüglich der vieldiskutierten pastoralen Ausrichtung des Konzils folgendermassen: «Für mich ist die erste pastorale Pflicht, die Wahrheit zu sagen, die klare, deutliche Lehre wiederzugeben und hinzuweisen auf Gefahren und Irrtümer zurückzuweisen. Auch darin zeigt sich die Kirche in ihrer ganzen Güte. Es besteht kein Gegensatz zwischen ‹mater› und ‹magistra›, zwischen ‹Mutter› und ‹Lehrmeisterin›.» Tromp erläuterte in diesem Interview vom 20. Januar 1963, dass er seine Sicht in Sachen Pastoralkonzil und betreffs der öffentlichen Meinung in der Kirche ein Jahr zuvor in einer Rede an der Päpstlichen Universität Gregoriana dargelegt habe, die von Johannes XXIII. als ausgezeichnet beurteilt worden sei.
Ob Papst Johannes XXIII. seine Meinung wohl später änderte? Jedenfalls war sich Johannes XXIII. nicht zu schade, von einer guten Ansicht zu einer besseren zu wechseln, wenn er das als richtig erachtete. Und spätestens mit der berühmten Konzilseröffnungsrede vom 11. Oktober 1962 verdeutlichte Johannes XXIII., dass seine pastorale Sicht des Konzils eine andere war als diejenige von Tromp.
(ufw/Tromp-Zitat, in: Tr 2/1,8).

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