Ausgerechnet die Pille wurde zum Synonym für den Verlust klarer Deutungshoheiten in der Kirche. Während die einen die Pille als Befreiung feierten, sprachen die anderen von der «Grünen Bombe», so die Bild-Zeitung. In der katholischen Kirche ist die Pille zum sichtbaren Angelpunkt des Zerbrechens jeder zentralistischen Deutungshoheit in der Spätmoderne geworden. Zwar sollte Paul VI. noch einmal versuchen, ein Machtwort zu sprechen, aber angesichts der übergrossen Komplexität der Frage wurde das Thema schon früh vielerorts in den Bereich der individuellen Gewissensfreiheit zurückverwiesen.
Das Zweite Vatikanische Konzil suchte den Weg der Kirche in die Moderne. Dabei kamen die Konzilsväter nicht mehr um die Frage der unhintergehbaren Pluralität der Deutungs- und Orientierungsangebote für das Leben in einer Welt im Wandel herum. Gewissensfreiheit, Menschenrechte und Religionsfreiheit wurden damit auch innerkirchlich zu grossen, aber notwendigen Herausforderungen.
Die Pillenfrage begleitete das Konzil in diesem Suchprozess fast von Anfang an und sie begleitet die Versuche der Kirche, sich in der modernen Welt zu behaupten, bis heute. Nicht zufällig hat diese Frage, zusammen mit anderen aus dem Feld der Sexualmoral, oftmals den Charakter einer Testfrage, wenn es um die Modernitätsfähigkeit der Kirche geht – und um die Einschätzung der Bedeutung des Konzils für die Kirche.
(ab)
Konzilsblogteam
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant