Die Pille wird eingeführt – ein Ernstfall der Moderne für das Konzil

Ein Österreicher hatte die Idee zuerst: Frauen sollten Hormone einnehmen, um den Eisprung zu verhindern. Im Hintergrund standen damals – 1919 – sog. eugenische Überlegungen.
Als die Forschung in den  1950er Jahren in den USA weitergetrieben wurde, waren es nicht zufällig Frauen in Puerto Rico, an denen das Präparat getestet wurde. Im Hintergrund stand die Sorge vor einer Welle der Armen (und womöglich kommunistischen Armen) aus dem Süden, die man auf die USA zukommen sah.
1960 wurde die sog. Anti-Baby-Pille in den USA eingeführt. 1963 wurde sie auch in Westdeutschland zugelassen. Heute geht man davon aus, dass dort die Zahl jährlicher illegaler Abtreibungen bei 1,5 Millionen gelegen habe. Es gab also schon lange grosse Probleme in Sachen Liebesleben, Sexualität und Schwangerschaften, aber diese Probleme wurden heimlich «gelöst».
Die Zulassung der Pille geschah in einer gespaltenen Gesellschaft. 45% der Westdeutschen waren 1963 gegen die Erlaubnis der Pille in Deutschland – und 43% dafür. Die gleiche Umfrage zeigte ein anderes Bild, wenn gefragt wurde, ob die Pille z.B. in Indien zur Geburtenregelung eingeführt werden solle. Hier waren plötzlich 63% für die Erlaubnis der Pille. Unehrlichkeit in Sachen Sexualität und Moral wurde mehr als deutlich.
Die Pille jedenfalls hat sich durchgesetzt. In Westdeutschland hat sich die Geburtenrate bis 1978 halbiert. Dabei ist die Pille bis heute umstritten geblieben. Die Gemengelage aus politischen, medizinischen, sexuellen, moralischen, geschlechterbezogenen, gesellschaftlichen, kulturellen und anderen Dimensionen macht es schwer, eine differenzierte Position zu formulieren.
Ob die Konzilsväter die Ambivalenz der modernen Welt und ihrer Konsequenzen wohl geahnt haben?
(ab)

Konzilsblogteam

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