Das werde ich immer wieder gefragt, und wenn ich ehrlich bin, frage ich mich das manchmal selber. Ein bisschen Ausholen ist hier nötig: Ich habe nach meinem Abitur in Deutschland erst einmal ein Jahr in zwei sehr unterschiedlichen Gemeinschaften gelebt, einer katholisch-charismatischen WG zusammen mit Menschen, die zum Teil vom Rand der Gesellschaft kamen, und einem lutherischen benediktinischen Kloster. Und dann habe ich gemacht, was ich schon mit zwölf wollte, und bin Physikerin geworden. Elementarteilchen, Supercomputer, Wettervorhersage – hat alles Spass gemacht. Und doch hab ich immer nach spätestens zwei Jahren das Interesse verloren. Bin daraufhin in die Projektarbeit in der Software-Industrie eingestiegen, weil da die Projekte jeweils kürzer waren als meine Interessensspanne. Das hat auch einige Jahre gut funktioniert. Und dann kam eine Ahnung: Dass ich, trotz meiner Begabungen auf technischen Gebieten, und vor allem, trotz meiner «Schwächen» im Umgang mit Menschen, mit ihnen arbeiten darf und kann. Dass ich dem Thema, das sich all die Jahre im Hintergrund durch mein Leben gezogen hatte, nämlich Gott und unserer Beziehung zueinander, einen vorderen Platz geben darf. Also war es logisch, nochmal was Neues zu machen, dieses Mal die Theologie. Das, was ich vorher gemacht habe, hat mir, so wie ich war, entsprochen, und meine Erfahrungen werden mir vielleicht sogar manchmal im Neuen nützlich sein – aber es entspricht nicht mehr der, die ich jetzt bin. Und vielleicht habe ich darüber hinaus noch etwas gefunden, was mich mehr die sein lässt, die ich eigentlich bin. Dass mein Interesse (anders als früher) in diesem Fach nie nachgelassen hat, spricht dafür. Wie das sein wird, nachdem ich die Uni verlassen habe und anfange, im neuen Beruf zu arbeiten, darüber werde ich hier wohl manchmal schreiben.
Karin Reinmüller
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/und-warum-hast-du-dann-noch-theologie-studiert/