In letzter Zeit begegnete ich dieser Frage mehrmals: «Gehören Sie auch zu uns?» Ich hatte ein Gespräch mit einer Kirchgängerin, die ich kenne. Bei einer Tasse Kaffee sprachen wir über das Projekt ‘Kirche mit den Frauen’. Sie lieferte viele Gegenargumente gegen dieses Projekt und sagte mir, dass sie versuche mich zu überzeugen, dass es meine Berufung sei, die katholische Kirche zu verteidigen und nicht, solche ‹antikatholischen Gruppen’ zu unterstützen. Sie fragte mich schliesslich ob ich auch zu ihnen gehöre: «Gehören Sie zu uns oder nicht?»
Dank meiner Möglichkeit in verschiedenen Pfarreien zur Aushilfe Gottesdienste zu leiten, begegne ich verschiedenen Theologen und Theologinnen. In jüngster Zeit war dabei das Projekt «Kirche mit den Frauen» ein wichtiges Diskussionsthema. Meine begrenzte Erfahrung gab mir den Eindruck, dass eine Menge Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen versuchten, sich von dieser Gruppe zu distanzieren. Es war für mich enttäuschend, auch schockierend von einigen Pastoralassistentinnen zu hören, dass «Kirche mit den Frauen» ein Projekt sei das nur einen Punkt auf ihrer Agenda hat: die «Frauen-Priesterweihe». Die Frage am Ende jeder Diskussion lautete: «Gehören Sie auch zu denen?»
Letzte Woche erzählte mir eine Bekannte, dass es ein Beweis des Wirkens des Heiligen Geistes in der Kirche gewesen sei, dass der Papst der «Kirche mit den Frauen» keine Audienz gewährt habe. Sie war überwältigt, glücklich und sagte mir: «Gott lebt noch und führt unsere Kirche». Ihre Bitte an mich war, dass ich nicht weiter in den Pfarreien zur Aushilfe gehe, weil diejenigen die in den Pfarreien arbeiteten, die Eucharistie nicht zu schätzen wüssten und nur den Wortgottesdienst förderten. Die Frage lautete danach wieder: «Gehören Sie zu dieser anti-katholischen Gruppe oder zu der heiligen katholischen Kirche?
Lassen Sie mich in Kürze meine Meinung zu diesen Diskussionsthemen zusammenfassen:
Soweit es mich betrifft, wusste ich über das Projekt Bescheid und habe beschlossen, persönlich in Rom dabei zu sein um mehr über es zu erfahren. Ich betrachte mich als gesegnet, dass ich unter den mehr als 500 teilnehmenden Menschen durch die Strassen des Roms laufen und in der Eucharistie im Petersdom teilnehmen konnte. Ich fühle mich geehrt, dass ich den Moment erleben konnte, als die Petition des Projekts «Kirche mit den Frauen» durch den Bischof Markus an Papst Franziskus überreicht wurde. Ich fühle dass ich ein Teil derer geworden bin, die bereits ihren Fuss in die helle Zukunft der katholischen Kirche gesetzt haben, hin zu einer Kirche die so inklusiv ist, dass sie die ganze Menschheit ohne Diskriminierung und Ausschliessung betrachten kann, eine Kirche mit den Frauen.
Die Frage «Gehören Sie auch zu uns?» hat mich weiter beschäftigt. Der Beitrag zum Projekt ‹Kirche mit den Frauen’ war für mich persönlich sehr bedeutungsvoll. Er hat mich zur Kontemplation und Meditation gerufen. Am Mittwoch vor dem Orgel-Konzert mit P. Theo Flury in der Aula magna an der Piazza S. Agostino traf ich die gleiche Frage wieder an. Am Eingang wurde ich gefragt «Entschuldigen Sie bitte, gehören Sie auch zu uns?» Was ich noch nicht verstehe ist, warum ich nicht zu ihnen gehören sollte? Mache ich denn den Eindruck, dass ich nicht zu ihnen gehöre? Oder sehe ich nicht aus, wie jemand der zu ihnen gehört?
George Francis Xavier
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant