Er sei kein Mensch, wurde einem schlimmen Mörder kürzlich vorgeworfen. Dahinter steht die Auffassung, man könne säuberlich trennen zwischen Guten und Bösen. Wer etwas vom Wesen der Menschen kennt, weiss, dass es nicht so einfach ist. Jeder Mensch ist ein Zebra, mit Anteilen von gut und bös. Und das sehr Böse kommt oft so harmlos daher. Man denke an die These von H. Arendt von der «Banalität des Bösen».
Es gibt aber immer noch Wissenschafter, die meinen, das Böse liege in den Genen. Dazu eine seltsame Meldung:
Der Neurobiologe James Fallon – bis dahin überzeugt, die Gene seien «zu 80 bis 100 Prozent verantwortlich für die Entwicklung des Menschen» (Tages-Anzeiger, 23.5.2016) – muss einigermassen geschockt gewesen sein, als sich der anonymisierte Scan eines «Psychopathenhirns» in einer Untersuchung 2006 als sein eigenes entpuppte. Der «gefeierte Neurobiologe, gute Vater von drei Kindern, seit Jahrzehnten verheiratet, hatte alle Anlagen dafür gehabt, ein empathieloses Monster, ein Serienmörder zu werden.»
Im Klartext: Der gute (!) Mann hatte Anlagen zum Monster, wurde aber ein ganz normaler Mensch.
Das Ganze zeigt, wie vorsichtig wir im Urteil über Andere sein müssen.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant