Orthodoxes Trauenspiel/ Konzil auf Kreta

«Die Orthodoxie aus Traditionalismus und Nationalismus herauszuführen»: Dies ist der grosse Traum des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios. Liegt hier der Grund dafür, dass das Moskauer Patriarchat sich weigert, am gegenwärtig auf Kreta stattfindenden orthodoxen Konzil teilzunehmen. Denn bekanntlich ist dieser Teil der Orthodoxie recht konservativ und höchst nationalistisch. Deshalb tönt es wie ein Hohn, wenn ein Sprecher der Moskauer Orthodoxie von einem " proamerikanischen Patriarchat von Konstantinopel».
Manche Kommentare, die ich seit meiner Rückkehr aus den Ferien (auf Kreta!) gelesen habe, benennen auch die Auswirkungen des «orthodoxen Trauerspiels» (so titelte Christ in der Gegenwart) auf die katholische Kirche:
–          Die Orthodoxen fordern seit Langem als eine Bedingung für die Kircheneinheit mit Rom die Aufgabe der päpstlichen Primatsstellung und die Übernahme ihres Systems selbstständiger Kirchen unter einem «Primus inter Pares» (Erster unter Gleichen, Anm.), wie das der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel ist. Darum: Wenn die Orthodoxie nicht vorlebt, dass ein solches Kirchenmodell auch funktioniert, wie sollten die Katholiken darauf einsteigen können?
–          Der renommierte italienische Kirchenhistoriker Alberto Melloni fürchtet negative Folgen für Papst Franziskus. Schliesslich mache dieser «Synodalität» und «Einheit» zu Kernpunkten seines Reformprogramms. «Scheitert das Panorthodoxe Konzil, wäre das ein Sieg für die vielen Feinde der Synodalität, die im Herzen von Franziskus’ Ökumeneverständnis steht.»
Vielleicht wirkt ja der Pfingstgeist auch auf Kreta. Das Konzil wurde ja am letzten Sonntag eröffnet – dem diesjährigen orthodoxen Pfingsten ….

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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