Hat die Kirche den Kulturen des Südens nur geschadet?

«Der vermeinte Zivilisationsschub in den Süd-Ländern, erfolgt auch durch die Missionstätigkeiten aus dem Norden, und habe auch dort vieles aus dem Lot gebracht.» So sagte Josef Estermann, der Leiter des Luzerner Romerohauses am Freitag an der Tagung der Missionskonferenz. Recht hat er. Doch dies ist nur die eine Seite. An der Werkwoche der Missionsverantwortlichen der Kapuziner in Nord-West-Europa, an der ich teilnahm (und deshalb nicht an die Tagung konnte) wurde betont, wie die Bayerischen Kapuziner bis heute dazu beitragen, dass die Kultur der süd-chilenischen Mapuche weiterlebt: zb. durch Wörterbücher, ohne die ihre Sprache tot wäre, oder auch durch Rechtsbeistand, um ihr Überleben als Volk zu sichern.
Auch von meinen Mitbrüdern in Tansania könnte ich ähnliches berichten. Sie haben in verschiedenen Regionen Wörterbücher erarbeitet, die für die Kulturen überlebenswichtig waren.
Auch auf der Ebene der Entwicklung haben die Missionare wichtiges geleistet. Dazu nur diese Anekdote: Als eine Gruppe Schweizer Kapuziner auf dem Schiff nach Tansania reiste (es mag 1945 gewesen sein), war ein gewisser Herr Schmidheiny mit ihnen auf dem Weg. Er meinte: «Ihr von der Kirche macht einen riesigen Fehler. Ihr schult die Neger. Ihr werdet es noch erleben, dass diese frech werden.» Ja,  sie wurden tatsächlich «frech» und erkämpften die Unabhängikeit – nicht zuletzt dank Nyerere, dem ersten Präsidenten Tansania, der in einer Kapuzinerschule gross wurde …
Zum neuen Missionsverständnis hier wieder einmal der Hinweis auf die Homepage, dich ich monatlich zwei Mal füttere:
http://www.kapuziner.ch/blog/category/neues-missionsverstaendnis/

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/hat-die-kirche-den-kulturen-des-suedens-nur-geschadet/