Muss die Kirche sterben?

Die Kunde von den «leeren Kirchen» ist zwar teilweise noch falsch. Ich erlebe immer wieder eine Kirche, die voller Menschen ist. Doch  öfters schaue ich auf die grösstenteils grauen Häupter und frage mich, wer in zehn Jahren noch hier sein wird.

 Auf diesem Hintergrund aus einem Bericht vom

 Kongress Strategie und Entwicklung in Kirche und Gesellschaft, der in Bensberg stattfand unter dem Motto «Relevanz und Mehrwert – Wozu braucht Gesellschaft Kirche?»
Kirche muss (in ihrer jetzigen Form) selbst sterben, um Antworten zu finden für eine Gesellschaft, die genau dies vor sich hat und sich erkennbar schwer damit tut. (…) Das Beste daran: Kirche kommt auf dem Weg des Verlustes von Macht und Einfluss, Geld und Vermögen, Glanz und Glorie zu sich selbst, zu ihrem Kernauftrag zurück, die Botschaft der Liebe Gottes in Jesus Christus in Welt und Geschichte zu bezeugen. Eine ‹schwache› Kirche (Gianni Vattimo), eine ‹verbeulte› Kirche (Papst Franziskus), eine ‹ekklesía ohne Privilegien› (Ulrich Engel) verkörpert die Frohe Botschaft glaubwürdiger als eine mächtige, reiche und glorreiche Kirche.
(…)
Die Relevanzfrage lässt sich (letztlich) nur von innen beantworten. Sie steht und fällt mit dem Beziehungsangebot, das Kirche nach innen lebt und Menschen macht, denen sie begegnet. Ein Beziehungsangebot, das auf das Leben und die Zukunft vertraut, kann Kirche nur machen, wenn sie es im Innern selbst lebt. «Seht, wie sie einander lieben!» (Römer über die Christen, nach Tertullian).
 Was ist der tragende Grund für das (neue) Beziehungsangebot, das Christen sich und anderen machen? «Spiritualität, … ist ein Grundbedürfnis des Menschen, so ähnlich wie Sexualität auch» (Harald Walach). Menschen suchen unermüdlich danach. Sie haben ein Gespür für die vertikale Dimension des Lebens, für das, was existentiell trägt und das, was über die eigene Existenz hinausweist, also für Transzendenz. «Kirchliche Praxis hat dieses Bedürfnis nach Erfahrung, das sich historisch in mystischen Bewegungen geäussert hat, in der Regel eher mit Skepsis beäugt, als gefördert. Spirituelle Erfahrung wird vermutlich zur Basis kirchlicher Verkündigung und Praxis werden müssen, wenn Religion in der postmodernen Gesellschaft eine Zukunft haben soll, die für mehr als nur kleine Gruppen Relevanz haben soll.» (Harald Walach)
 
 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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