Im Namen des «christlichen Abendlandes» werden Flüchtlinge ferngehalten. Dabei besteht ein zentraler Inhalt des Christentums darin, Fremde gastfreundlich aufzunehmen. Heinrich Bedford-Strohm sagte dazu Bemerkenswertes in seiner Dankesrede für den Herbert Haag-Preis. Auch wenn es in erster Linie um Deutschland geht, gelten seine Worte sicher auch für die Schweiz:
Nur wer eine Religion kennt, gewinnt Kriterien dafür, die Ausübung dieser Religion von ihrem Missbrauch zu unterscheiden. Deutschland hat im vergangenen Jahr viele Flüchtlinge aufgenommen. Viele von ihnen sind Muslime. Insbesondere in den Regionen Deutschlands, in denen bisher nur wenige Muslime leben, ist die Angst vor dem Islam gross. Das äussert sich leider auch in erschreckenden Ausdrucksformen fremdenfeindlicher Gewalt. Bei Demonstrationen der islamfeindlichen Pegida-Bewegung beruft man sich auf das «christliche Abendland.» Und man meint es, durch die Abwehr von Flüchtlingen verteidigen zu müssen. Sogar schwarz-rot-goldene Kreu-ze tauchen in Pegida-Demonstrationen auf. Den Trägern solcher Kreuze scheint der tiefe Widerspruch gar nicht aufzufallen, der darin liegt, dass hier die Abwehr von Fremden mit einem Symbol begründet wird, das für denjenigen steht, der gesagt hat: Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Das zeigt, wie gross die Aufklärungsaufgabe ist. Und es zeigt, dass wir als Kirchen gar nicht anders können als den nationalistischen Missbrauch der christlichen Religion in aller Klarheit zurück-zuweisen.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/christliches-abendland-eine-idee-wird-zur-perversion/