Es gab bereits 6000 Regionalkonzilien (Synoden)

Gläubige, die sich um die Zukunft der Kirche Sorgen machen – wie etwa der berühmte Pastoraltheologe Leo Karrer, der «Vater» der Tagsatzung – fordern seit Jahrzehnten das synodale Prinzip auch für die Ortskirche. Ebenfalls Papst Franziskus  möchte das Prinzip der Synodalität anwenden. In einem Gespräch mit Radio Vatikan erinnerte der Kirchenhistoriker Johannes Grohe daran, dass es im Laufe der Kirchengeschichte 6000 Regionalkonzilien – also Synode – gegeben hat:
«Nun ist die Synodalität in der Kirche so alt wie die Kirche selber. Wir haben bereits seit den ersten Jahrhunderten immer wieder Versammlungen von Bischöfen mit dem Klerus ihrer Diözesen. Das zieht sich dann durch alle Jahrhunderte bis ins 20. Jahrhundert hinein durch. Lediglich, dass im 20. Jahrhundert zunehmend zum Klerus noch Vertreter von Laiengemeinschaften, einzelne qualifizierte Laien, Männer und Frauen, eingeladen werden, an diesen Beratungen teilzunehmen.
Die Synode ist dann immer eine Bischofssynode für die einzelne Diözese. Der Bischof ist dann, wenn die Texte veröffentlicht werden, derjenige, der mit seinem Wort dazu steht. Er ist, wie es in der Rechtssprache heisst, der alleinige Gesetzgeber. Wir kennen andere synodale Formen in überdiözesanen Organisationsformen, die Regionalkonzilien, die Nationalkonzilien und natürlich die am besten bekannten ökumenischen Konzilien. Wobei ich bei den Regionalkonzilien sagen möchte, dass es so viele gibt, dass die Leute sich wundern, wenn man die Zahl nennt: Es gibt im Laufe der Jahrhunderte über 6.000 solcher Regionalkonzilien.
(Dazu gehörten die Synode 72 in der Schweiz  und die Würzburger Synode in Deutschland
Welche Ideen entwickelt Franziskus an diesem Punkt, aus Ihrer Sicht?
Grohe: «Dem Papst scheint vorzuschweben, dass bestimmte Kompetenzen vom Zentrum an die Peripherie rückdelegiert werden, dass also die regionalen Organisationsformen von Kirche wieder stärker in die Verantwortung genommen werden. Man könnte sagen, so ein kleinwenig mit Blick auf das erste Jahrtausend oder auf die ersten 1500 Jahre und so weiter. Denn nach dem Konzil von Trient hat die römische Kirchenleitung auch das Reglement über die Regionalkonzilien an sich gezogen, insofern als sie dann immer im Nachhinein approbiert werden mussten. Das war bis Trient nicht so der Fall. Hier hätte man eine Bewegung, für die offenbar Papst Franziskus eine gewisse Sympathie hat, Kompetenzen rückdelegieren, wo es möglich ist. Auf der anderen Seite aber hat man den Eindruck, dass gerade um die römische Bischofssynode herum neue Überlegungen in Gang gekommen sind: Die Miteinbeziehung der Laien in der ganzen Welt in eine Art synodalen Prozess. Ansatzweise hat man das gesehen in der Versendung der Fragekataloge vor der ersten und dann noch vermehrt vor der zweiten Bischofssynode, wo es um die Familienfrage ging. Es könnte sein, dass man in diese Richtung weiterdenken wird. Dafür spricht auch ein Studientag, den das Sekretariat der Bischofssynode kürzlich veranstaltet hat.»

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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