«Man muss unbedingt die Nationalität der Kriminellen publizieren», sagen die einen. Denn man will ja wissen, wie viele Ausländer Verbreche sind.»
«Nein, dies steigert nur die Vorurteile», geben die andern zu bedenken. Und ich? Ich gebe einiges zu bedenken.
Wenn man schon von der Herkunft der Kriminellen spricht, warum gibt man bei den Inländern nicht auch ihren Heimatkanton a?. Ich denke da an die beiden Frauen, die gestern im Zug mehrmals von den «cheibe Aargauern» sprachen. Sie wären sicher erfreut, wenn sie lesen könnten, was diese «Cheibe» so alles verbrechen.
Warum nicht die Konfession angeben? Die Konfessionslosen wären sicher daran interessiert, was Katholiken oder Protestanten so anstellen. Und diese wiederum könnten sich in der Vorstellung bestätigt fühlen, dass man nur als Christ ein guter Mensch sein kann, wenn in einer Verbrecherstatistik ein Übeltäter ohne Konfession auftaucht.
Und da wäre noch die Haarfarbe: Wenn dokumentiert würde, wie viele Blondinen straffällig werden, könnte mancher Mann neue Blondinenwitze erfinden.
Für mich ist es unbegreiflich, warum die Kriminalstatistik so wenig aussagekräftig bleiben soll, indem sie nur Nationalitäten berücksichtigt.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant