Das Unwort «Gutmensch»

Schon seit Jahren, ja vielleicht Jahrzehnten schreibe ich dagegen an: gegen das Wort «Gutmensch». Jetzt wurde es endlich zum Unwort des Jahres (2015) erklärt. Die linke taz wäre sogar dafür, es zum Unwort des Jahrzehnts zu erklären.
Im Publik-Forum meint ein Autor, das Wort «offenbare die tiefe ethische Leere der Wohlstandsgesellschaft».
Warum hat man ein solches Unwort geschaffen? Der Kabarettist Georg Schramm hat eine Idee: »Wenn man Menschen, die helfen, abqualifiziert, muss man nicht selber etwas tun.«      Dies ist wohl zutreffend.
Das Wort hat eine ungute Vorgeschichte. Ich redigiere gerade für den Franziskuskalender  2017 einen Artikel von Martin Hennig, in dem steht:
«Die Bezeichnung «Gutmensch» soll bereits für die Anhänger von Kardinal Graf von Galen verwendet worden sein, die gegen die Ermordung Behinderter durch die Nationalsozialisten auftraten. «Gutmensch» als eine Ableitung vom jiddischen «a gutt Mensch». Der Deutsche Journalistenverband verweist in einer Schrift auf Adolf Hitler, der in seinen Reden und seinem Buch «Mein Kampf» die Vorsilbe gut wiederholt in abwertendem Zusammenhang verwendet hatte. So waren für ihn gutmeinende und gutmütige Menschen diejenigen, die den Feinden des deutschen Volkes in die Hände spielten. Soweit so ungut.»

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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