Auf Du und Du mit allen Geschöpfen/Franz von Assisi

Vorbemerkung für User in Luzern und Umgebung: Am nächsten Sonntag, 21. Februar wird Joseph Bättig in unserer Klosterkirche Wesemlin den Sonnengesang des Franz von Assisi vorstellen. Es wird sicher spannend. Herzlich willkommen!
Und hier ein Abschnitt aus meinem Büchlein «Franz von Assisi für Ungläubige, über seine Beziehung zur Schöpfung.
Der tierliebende Franz trifft auf die Sympathien der meisten Menschen. Gleichzeitig führt dieser Aspekt oft dazu, dass der Mann aus Assisi zu einem harmlosen Naiven verkitscht wird. Wenn wir jedoch seine Naturliebe nicht bloss oberflächlich betrachten, wird er zur Leitfigur auf einem Gebiet, das zu den dringlichsten Herausforderungen des 20. und 21. Jahrhunderts gehört: der Ökologie. Bereits 1979 hat Papst Johannes Paul II. ihn zum Patron des Umweltschutzes erklärt.
Franzens Haltung zur belebten wie zur unbelebten Mitwelt lässt sich als «kosmische Universalität» aller Geschöpfe skizzieren. Was heute nur noch Dichtern, Narren und Kindern gelingt: Franz führte einen persönlichen Dialog mit allem Geschaffenen. Mit allen war er auf Du. Tiere und Pflanzen waren in seinen Augen nicht blosse Ressourcen, die gebraucht und wenn nötig bedenkenlos verbraucht werden dürfen. Das reine Nützlichkeitsdenken war ihm fern. So wies er den Gärtner an, auf jeden Fall dem «Unkraut» in einer Ecke des Gartens Platz einzuräumen. Denn es hatte für ihn ebenso eine Lebensberechtigung wie die nützlichen Gewächse.
Seine «Naturmystik» verbindet Franz mit andern Kulturen und Religionen, die zu seiner Zeit dem Abendland noch völlig unbekannt waren, etwa mit dem Buddhismus und Hinduismus. Diese kennen ebenfalls eine «kosmische Einheit» alles Seienden. Auch in der indianischen Spiritualität finden wir unzählige Parallelen zur franziskanischen Haltung. So sollen Eingriffe in die Natur auf das absolut Notwendige beschränkt bleiben. Auf jeden Fall soll die Nachhaltigkeit gewährleistet werden. Wenn die Indianer im Interesse ihres eigenen Überlebens einer Pflanze oder einem Tier Gewalt antun müssen, bitten sie das Opfer um Vergebung. Nur wenn es nicht anders geht, dürfen Eingriffe in die Natur vorgenommen werden. Dies erinnert an Franz, der verbietet, Bäume zu fällen. Wenn es aber nicht zu vermeiden wäre, sie umzuhauen, müsse man sie einen Meter vom Boden absägen, damit noch Hoffnung bestünde, dass sie weiter wachsen können.
In solchen und vielen andern alltäglichen Verhaltensweisen und nicht in hochgestochenen Theorien erleben wir die innige Verbindung zwischen Franz und der ihn umgebenden Welt. Nach den Worten seines ersten Biographen erstreckte sich seine «Zartheit» bis hin zu den unansehnlichen Würmern. Wenn er auf dem Weg ein Würmchen antraf, trug er es weg, damit es nicht zertreten würde. So oft er konnte, rettete er auch andern Tieren das Leben. Wenn es ihm möglich war, gefangene Fische aus dem Netz zu befreien, warf er sie ins Wasser zurück – nicht ohne sie davor gewarnt zu haben, sich wieder fangen zu lassen. Und als er unterwegs einen Jungen sah, der Waldtauben gefangen hatte und sie zum Markt bringen wollte, bat Franz ihn flehentlich, die Tiere ihm zu überlassen, «damit sie nicht in die Hände von grausamen Menschen fallen, die sie töten».
Fortsetzung folgt
Mein Büchlein «Franz von Assisi für Ungläubige» (Wegwarte Verlag), das auch von Gläubigen gelesen werden darf, zum «Ausverkaufspreis» von Fr. 5.– bei mir erhältlich:
Wludin@bluewin.ch

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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