Sicher ist es gewagt, darüber zu spekulieren, wie Jesus in zwei Woche abstimmen würde. Doch regt es zum Denken an. Die Basler «Tageswoche» hat die Frage nach dem Abstimmungsverhalen Jesu einem Theologieprofessor gestellt. Hier seine Meinung:
Der Basler Theologe Moises Mayordomo hat für die «Tageswoche» das wahrscheinliche Abstimmungsverhalten von Jesus Christus untersucht. Für ihn steht fest: Jesus wäre gegen die zweite Gotthardröhre und die Durchsetzungsinitiative und für die Volksinitiative «keine Spekulation mit Nahrungsmitteln».
Moises Mayordomo, Professor für Neues Testament an der Uni Basel, hat sich zum Experiment bereit erklärt, «weil er sich selbst häufig ärgert, wie oft Jesus in politischen Auseinandersetzungen als Komplize missbraucht wird», wie es in einem Artikel auf dem Internetportal der Basler «Tageswoche» vom 31. Januar heisst.
Die «Tageswoche» ging mit Mayordomo den kleinen Fragekatalog von «Smartvote» zu den letzten Nationalratswahlen durch und wollte von ihm wissen, wie Jesus zu den Abstimmungen vom 28. Februar stehen würde.
Dreifache Ablehnung
Mayordomo vermutet, dass Jesus «ziemlich sicher» gegen eine zweite Gotthardröhre gewesen wäre: Es gebe in der Bibel eine klare Stellungnahme für die Natur, für die Bewahrung der Schöpfung. Die Jesus-Bewegung habe auch eine Tendenz zum einfachen Leben gezeigt und Formen von übersteigertem Luxus seien ihr zuwider gewesen.
Zur Durchsetzungsinitiative meint der Theologe: «Schon die Unterscheidung in Aus- und Inländer hätte Jesus nicht gutgeheissen.» Grundsätzlich liege man richtig, wenn man alles ablehne, was zu einer Zementierung von Unterschieden innerhalb einer Gesellschaft führe.
Am deutlichsten wird Mayordomo bei der Nahrungsmitttel-Spekulation: «Unbedingt verbieten», meint er aus der Sicht von Jesus. Die Vorstellung, dass man mit Grundnahrungsmitteln Handel treiben könne, stehe völlig quer zur Bibel mit ihrem eher naiven Bild der Ernährung als rein natürlichem Prozess. Überhaupt sei Handel in der Perspektive Jesu sehr kritisch zu betrachten. Die Verzinsung sei schon im jüdischen Gesetz verboten.»
Leider äussert sich Mayordomo im Artikel der «Tageswoche» nicht zur vierten Abstimmungsvorlage, der Volksinitiative der CVP «Für Ehe und Familie – gegen die Heiratsstrafe». Diese sei vergessen worden, heisst es in einem nachträglichen Kommentar des Autors, die Antwort werde aber nachgeliefert.
War Jesus ein Linker?
Mayordomo sagt aber auch, es sei schwierig wiederzugeben, was Jesus wirklich gesagt hätte. Doppelt schwierig sei es, die heutigen gesellschaftlichen Realitäten in die Zeit Jesu zu übertragen. Aber es gebe ein paar Grundsätze, die man auch heute anwenden könne: «Die Bewahrung der Schöpfung als Prinzip, oder dass Jesus auf der Seite der Armen und nicht der Reichen stand».
Die Beantwortung des kleinen Fragekatalogs von «Smartvote» liefert für Jesus Christus schliesslich einen «Smartspider» mit starken Ausschlägen im linken Themenspektrum wie «Ausgebauter Sozialstaat und Umweltschutz», «Offene Aussenpolitik» und «Liberale Gesellschaft».
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/wie-links-war-jesus-und-wie-wuerde-er-am-28-februar-abstimmen/