Ihr dürft ein SEGEN sein

Aus aktuellem Anlass – den Segnungen, welche in diese Tage im liturgischen Kalender stehen, habe ich für diese Predigt das Thema Segen gewählt. Als ich einer Bekannten davon erzählte, frage sie:
«Was bedeutet das eigentlich – das Segnen? In der Messe geschieht es ganz selbstverständlich. Es gehört einfach zum Ablauf der Liturgie. Wer denkt sich schon was dabei?»
In einem ersten Schritt versuche ich eine Antwort auf der sprachlichen Ebene. Und stelle die These auf: Segnen ist ein intensives Sagen.  Ich denke, das ist mehr als ein Sprachspiel.
Wir alle haben es schon erfahren: Es gibt Worte, die uns ein Leben lang begleiten. Sie haben unser Leben geprägt, im guten oder im schlechten Sinn.  Beispiele für negative Worte könne solche sein, die Lehrer den Schülern auf den Weg geben. Wenn etwa ein nicht gerade guter Schüler immer wieder hört: «Aus dir wird Nichts», kann dies lähmend wirken. Ein junger Mensch kann dadurch wie gelähmt werden. Und er denkt «Wenn ich keine Chance habe, warum mich sollte ich mich denn noch anstrengen?»  Die Psychologie spricht hier von sich selbst erfüllenden Prophezeiungen.
 Wir sehen: Worte können lähmen. Sie können auch beflügeln. Es gibt kann einen jungen Menschen motivieren, wenn er immer wieder hört: «In dir steckt etwas. Du schaffst es.»
Oder wenn jemand zum andern sagt: «Ich liebe dich» – dann kann dies Wege öffnen für ein ganzes Leben, ein gemeinsames Leben.
 Zusammengefasst: Wenn wir etwas sagen, hat dies sehr oft Konsequenzen. Ich möchte mich hier mit einer Besondern Form des Sagens befassen: mit dem Segnen. Lateinisch  heisst dies: benedicere; was nichts anderes bedeutet als gut-sagen; oder Gutes sagen.
Ich habe es schon eingangs erwähnt: In diesen Tagen gibt es manche traditionelle Segnungen:

Gesegnet werden Kerzen, die Symbole sind für Jesus, das Licht der Welt; und Zeichen für die Wärme und Liebe, die Gott uns schenkt.
Am Agatha-Fest wird das Brot gesegnet. Dieser Brauch kann uns daran erinnern, dass das tägliche Brot ein Geschenk Gottes und nicht selbstverständlich ist.
Und der Blasius-Segen ist eine Bitte um Gesundheit.

Selbstverständlich dispensiert dieser Segen uns nicht davon, Sorge zu unserer Gesundheit zu tragen und schädliches Verhalten fern zu halten.
Dazu eine kleine Geschichte.
Zwei Weinbauern liessen im Frühling ihre Weinberge segnen. Der erste setzte sich an die Sonne und sagte: «Ich lasse jetzt Gott wirken. Er wird schon dafür sorgen, dass es im Herbst guten Wein gibt.»
Der andere arbeitete Tag für Tag im Weinberg und meinte: «Ich habe die Reben segnen lassen. Jetzt will ich zu ihnen besondere Sorge tragen.»
Frage an Sie: Welcher Winzer hatte die bessere Ernte?»
Die Antwort kennen Sie sicher. Ich möchte jetzt nur noch einen neuen Aspekt hinzufügen: Als Gläubige sind wir nicht nur eingeladen, um den Segen Gottes zu bitten. Wir dürfen auch füreinander zum Segen werden, indem wir etwas von Gottes Güte einander weiterschenken. Vielleicht kennen Sie das schöne, eingängige Lied:
«Ihr sollt ein Segen sein»: Darin heisst es u.a.
«In eurer Kraft sei Gottes Kraft
Es wirke durch euch Gottes Geist.
Durch eure Hände heile Gott.
Durch eure Güte wird Brot.
Und ich denke, wir sollten noch eine neue Strophe erfinden. Sie würde, etwas unpoetisch, etwa so lauten:
«Unser Mund sage Worte der Ermutigung. Worte, die andere nicht lähmen oder klein machen; sondern Worte, die gut tun und Gutes tun.»
In diesem Sinne: Ihr sollt   – oder besser – ihr könnt, ihr dürft ein Segen sein.
Elisabethenheim Luzern, Sa 16.30; Stans: Frauenkloster St. Klara So 9.30 und Pflegeheim Nägeligasse 10.40

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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