Behinder Kinder abtreiben?

Auch im Neuen Jahr werden so genannte «Lebensschützer» von sich reden machen. Doch wenn sie reden, meinen sie mit «Leben» das ungeborene. Wer kennt aus diesen Kreisen Aussagen über die Vernichtung von Leben in Kriegen.
Und auch: Diese Kreise werfen allen, die für die Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs sind, vor, sie seien «für die Abtreibung». Und vergessen, dass in vielen Länder seit Einführung der Straflosigkeit die Zahl der Abtreibungen sogar zurückging.
Hier ein Beispiel eines erfolgreichen, sehr menschlichen Versuchs, eine Abtreibung zu verhindern. Mein Freund Roland Breitenbach, der nach einem schlimmen Velounfall an Weihnachten erstmals wieder öffentlich aufgetreten ist, erzählte nach einem Bericht auf der Homepage seiner Pfarrei Schweinfurt:
Ein älteres Paar sprach ihn an, sie sagten «sehr bewegt», dass sie Grosseltern würden. Aber das Kind, das die Tochter erwartet, werde nach Dafürhalten des Arztes schwer behindert auf die Welt kommen. Sie hätten sich deshalb zur Abtreibung entschlossen, wollten aber auch seine, Breitenbachs, Meinung einholen. «Lasst das Kind auf die Welt kommen, sein Lachen wird euch entschädigen», habe seine Antwort gelautet. Dann habe er Tagore zitiert: «Jedes Kind, das in unsere Welt geboren wird, bringt von Gott die Botschaft mit, dass er an der Menschheit nicht verzweifelt».
Mit einem gemeinsamen Gebet habe er die Eheleute entlassen. Einige Wochen später standen sie wieder vor der Türe. Sie überreichten eine grosse Geldspende und sagten: «Ein Wunder! Das Kind ist ohne Behinderung zur Welt gekommen. Aus Dankbarkeit wollen wir das Geld spenden. Haben Sie einen besonderen Verwendungszweck?» Hatte Breitenbach natürlich: das Babyhospital zu Bethlehem, das einzige Kinderkrankenhaus im Westjordanland. Seit Jahren unterstützt St. Michael das von der Caritas betriebene Hospital, das zumeist kostenlos jährlich über 30 000 Babys/Kinder betreut.»
Ich habe ähnliches erlebt: Ein befreundetes Ehepaar bekam die Nachricht, ihr Sohn werde wohl mit Down-Syndrom auf die Welt kommen. Bei einem Seelsorgegespräch riet ich, sie sollten den Kontakt zu Eltern solcher Kinder suchen. Denn ich wusste, dass so genannt «Mongoloide» der Sonnenschein vieler Familie sind und auch in den Behindertenheimen sehr geschätzt sind. …
Der Sohn war völlig normal, als er geboren wurde. Kürzlich hat er mit grossem Erfolg ein akademisches Studium abgeschlossen.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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