Die Dezentralisierung und ihre nicht nur positiven Folgen

Der Papst lässt derzeit eine Synode über die «heilsame Dezentralisierung» der katholischen Kirche vorbereiten. So steht es in der österreichischen Zeitung «diepresse». Gezeigt werden dort auch die nicht nur positiven Folgen einer dezentral agierenden Kirche:
 Fünfzig Jahre nach dem romzentrierten Zweiten Vatikanischen Konzil soll das «Aggiornamento» heute der Pluralisierung der Welt Rechnung tragen – auch der Pluralität der Kirche. Es ist das heisseste Thema, das der Papst anpacken kann; auch reformfreudige Bischöfe haben Angst vor den Folgen. Im Prinzip geht es um die Frage, wie viel und wie weit Rom – auch in Lehrfragen – zentral entscheidet und wie viel Gestaltungsmacht die Bischofskonferenzen einzelner Kontinente, einzelner Staaten oder gar Bundesländer bekommen.
An einem Reizthema entlang gefragt: Darf es sein, dass Europa Ja sagt zu Homo-Partnerschaften und das katholische Afrika bei seinem Nein bleibt? Kann dann nicht Afrika den Europäern einen Verrat am Glauben vorwerfen und Europa den Afrikanern eine Verweigerung der Menschenrechte? Und wie hält dann alles als «katholische, allumfassende» Kirche zusammen? Wird der Papst als einziger Führer einer Weltkirche und als «Garant der Einheit» nicht zur reinen Symbolfigur, die alles treiben lassen muss, während den einzelnen Bischöfen, denen der Zentralismus bisher nicht nur Last, sondern auch Entlastung von alltäglichen Konflikten ist, unter der neuen Verantwortung zusammenbrechen?

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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