Kann man Petrus und die Apostel gemeinsam als Fundament der Kirche bezeichnen (so wie Eph 2,20 die Apostel und Propheten als Fundament der Kirche bezeichnet)? In der Sitzung der Theologischen Kommission vom 9. März 1963 entbrennt darüber ein Streit. «Eminenz Brown sagt, das Ausdruck ‹Fundament› werde nicht im gleichen Sinn für Petrus und die Apostel gebraucht. Exzellenz Parente schlägt vor zu sagen, Petrus sei das erste Fundament» (Tr 1,290). Ein weiterer Vorschlag ist, Petrus Fels, die Apostel aber Fundament zu nennen.
Die Diskussion dauert – vom Sekretär P. Sebastian Tromp minutiös festgehalten – von 18.03 Uhr bis 19.03 Uhr abzüglich einer viertelstündigen Pause. P. Yves Congar ist über die subtilen Distinktionen konsterniert. Die Vertreter der römischen Kurie, so hält er fest, bestreiten den Aposteln von Eph 2,20 jegliche juridische Funktion und Offb 21,14 (wonach auf den Grundsteinen des neuen Jerusalem die Namen der zwölf Apostel stehen) gilt ihnen zufolge nur für das himmlische Jerusalem, nicht für die irdische Kirche.. «‹Sie› denken nur an eines: überall den Papst einsetzen [mettre du pape partout], ihn über alles setzen, nichts als ihn sehen, die ganze Kirche nur aus ihm bestehen lassen» (Co 1,345).
Nur wenige Tage später hat Congar Anlass, auf dasselbe Thema zurückzukommen. Es scheint ihm wie eine Obsession zu sein: immer geht es nur um diesen einen Punkt: «so wenig wie möglich – und sogar nichts den Bischöfen oder der Kirche zuschreiben !!! damit es nichts als den Papst gebe, nur ein Prinzip oder eine Quelle: den Papst» (Co 1,356).
Der endgültige Text von LG wird am Ende von LG 19 die heikle Frage umgehen (vgl. SynLG 154 sowie 163).
(emf)
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