Das vergessene Reich Gottes (zum Christ-Königs-Fest)

Die Bibelwissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten neu entdeckt, dass das Reich Gottes das Zentrum von Jesu Verkündigung ist. Dieser Gedanke ging während mehr als einem Jahrtausend weitgehend verloren. Kürzlich hat ein Bekannter von mir in einem Vortrag nachgewiesen, dass die Kirchenväter der ersten drei-vier Jahrhunderte noch sehr oft vom Reich Gottes sprachen. Dann aber kam dieses in offiziellen Dokumenten praktisch nicht mehr vor .Erst das letzte Konzil hat es wieder entdeckt.
(….) Ich erlaube mir als einen ganz alltäglichen Zugang zum Reich Gottes; nämlich das Vater-unser, ein Gebet, das uns durch den christlichen Alltag begleitet. Im Zentrum des Vater-unsers steht die Bitte: Dein Reich komme; oder in der alten Übersetzung noch deutlicher: Zu uns komme dein Reich.
Damit ist also nicht bloss gemeint, dass Gott uns nach seinem Tod in sein Reich aufnimmt. Sondern dieses Reich will unsern Alltag bestimmen.
Schauen wir das Vater-unser näher an. Gleich nach der Reich-Gottes-Bitte heisst es:
«Dein Wille geschehe – wie im Himmel, so auf Erden.»
Die meisten von uns haben ganz bewusst so gebetet, wenn ihnen etwas Schlimmes passiert ist: eine schwere Krankheit oder ein sehr schmerzlicher Verlust. Gewiss, dann kann uns dieser Satz Hilfe und Trost bedeuten.
Den Willen Gottes nur so zu deuten, ist aber einseitig. Denn gleich nach dieser Bitte beten wir um recht Erfreuliches:
Gib uns heute unser tägliches Brot. Vergib uns unsere Sünden. Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Näher betrachtet stehen hier nicht Schmerz und Verlust im Vordergrund, sondern ein gutes, erfülltes, menschliches Leben:

Es geht darum, dass niemand hungern muss
dass  wir nicht unter unserer Schuld leiden
dass wir nicht in schlimme Situationen kommen
und dass das Böse überwunden wird.

Nochmals: Reich Gottes ist ein Reich ist ein des Glückes; oder wie es an der 1. Ökumenischen Europäischen Versammlung geheissen hat: ein Reich des Friedens in Gerechtigkeit.
Gerade diesen Frieden, diese Gerechtigkeit vermissen wir so schmerzhaft in unsern Tagen. Darum: Bitten wir am heutigen Fest darum. Und versuchen wir, einen Beitrag dazu zu leisten.
Stans, Sonntag 9.30 St. Klara; 10.40 Pflegeheim Nägeligasse

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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