Wie autoritär darf/muss der Papst entscheiden?

«Der Papst muss liefern»: Unter diesem Titel steht im Publik-Forum ein grosses Streitgespräch, aus dem ich am Mittwoch bereits zitiert habe. Heute geht es um die Frage, wie autoritär der Papst entscheiden soll.
Ich erinnere mich: Vor Jahrzehnten sagte Hans Küng, er hoffe, der Papst stehe eines Tages gut gelaunt auf und entscheide sich beim Rasieren, das Zölibatsgesetz aufzuheben. Wäre ja schön. Aber doch zu einfach. Solche Entscheide dürften nicht einsam gefällt werden.
Nun zum Pufo:
Martha Heizer: Wenn Franziskus auf Kollegialität und Kommunikation setzt, können wir in Westeuropa nicht erwarten, dass er einsam Entscheidungen in unserem Sinne trifft. Das wäre ja dann wieder autoritär. Er würde damit seinen eigenen Prinzipien untreu.
Sabine Demel: Natürlich ist es sinnvoll, dass der Papst erst die Art der Kommunikation und des Miteinanders ändert, bevor er weitreichende Entscheidungen trifft. Aber irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, wo er sich davor nicht mehr drücken kann. Dafür ist er Papst. Er kann nicht in der Praxis nach Barmherzigkeit für den Einzelfall rufen, ohne vorher sichergestellt zu haben, ob den Betroffenen Gerechtigkeit widerfahren ist, ob überhaupt gerechte Regelungen existieren. Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist Willkür. Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist unmenschlich. Wenn man sie gegeneinander ausspielt, wird sowohl das Recht als auch die Barmherzigkeit missbraucht. Diese Gefahr sehe ich derzeit.
 

Walter Ludin

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