Wohin steuert das «Schifflein Petri»? – Konziliare Optionen im nachkonziliaren Gezeitenwechsel

Es war am Abend der Konzilseröffnung. Ein Fackelzug der Katholischen Aktion hatte Joseph Ratzinger auf den Petersplatz geführt. Die ganze Szene ist vom Mond erhellt. Auf ihn bezieht sich Papst Johannes in seiner legendären «Mondscheinrede»: «Das Licht, das über uns leuchtet, das in unseren Herzen ist und in den Stimmen unseres Gewissens, ist ein Licht Christi, der mit seiner Gnade wirklich alle Menschen führen will. […] Geht nach Hause, gebt euren Kindern einen Kuss und sagt ihnen, er kommt vom Papst».
Fünfzig Jahre später gibt es in Rom wieder einen Fackelzug. Nun redet als Papst der junge Theologieprofessor von einst: «Auch heute […] haben wir Freude in unserem Herzen, […] eine vielleicht nüchternere Freude […]. In diesen fünfzig Jahren haben wir […] gesehen, dass […] das Schiff der Kirche auch […] in Stürmen fährt, die das Schiff bedrohen, und zuweilen haben wir gedacht: Der Herr schläft und hat uns vergessen.» Dieses Bild ist ein Leitmotiv des gerade zurückgetretenen Papstes. Er hatte es bereits 1962 in seinem Entwurf einer Eröffnungsbotschaft des Konzils verwendet: «Diese Hl. Synode […] weiss […] um die Dunkelheiten dieses Zeitalters, in denen […] der Herr inmitten von Sturm und Wellen zu schlafen scheint». In seiner Rede zum Amtsverzicht, aber auch bei seiner letzten Generalaudienz sprach Papst Benedikt dann abermals vom «Schifflein Petri», das der Papst durch Wellengang und Gegenwind zu steuern habe.
In seinem Buch Inside the Council (1963) hatte der US-Konzilskorrespondent Robert Kaiser das Bild der «barque of St. Peter» mit Blick auf Johannes XXIII. noch mit ungleich hoffnungsfroheren Stichworten versehen: «A new crew», «Charting new waters» und «Winds of change». Welche «sailing orders» der nächste Steuermann des «Schiffleins Petri» wohl ausgeben wird? Ob er sich dabei an der Mondscheinrede von Papst Johannes orientiert? Und damit an den pastoralen Optionen jenes Konzils, das nach der Gnade Christi in den Herzen «aller Menschen guten Willens» (GS 22) suchte?
(Christian Bauer)

Konzilsblogteam

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